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Avignon 09.11.03
Mit Avignon haben wir fast das Ende unserer Fahrt von der Nordsee ans Mittelmeer erreicht. Nur noch zwei kurze Fahrtage trennen uns vom Salzwasser. 1200km Fahrtstrecke, 224 Schleusen, 5 Tunnels, 3 Aquädukte und
235 Motorstunden liegen hinter uns. Von der Nordsee sind wir auf 360 Höhenmeter gestiegen, ab den Vogesen ging es dann wieder abwärts. Seit unserem letzten Bericht aus Toul haben wir viel erlebt. Der
landschaftlich sehr schöne Canal de l´Est Süd war ein hartes Stück Arbeit. Kaum hatte man eine Schleuse verlassen, kam schon die nächste in Sicht. So passierten wir bis zu 16 Schleusen an einem Tag. Begleitet wurden
wir dabei von einem Schleusenwärter oder einer Schleusenwärterin mit dem Moped oder Auto. Beim Öffnen und Schließen der schweren Schleusentore halfen wir kräftig mit, bei eisigen Temperaturen eine willkommene
Abwechslung. Morgens war unser Boot mit einer dicken Eisschicht überzogen, so dass wir Mühe hatten die steifgefrorenen Festmacherleinen zu lösen. Das Eis an Deck war auch schuld, dass Sascha, beim Versuch die Leine
an Land zu bringen, im kalten Wasser anstatt am Rande der Schleuse landete. Seit diesem Moment ist sich Nils aus Dänemark sicher, dass es auch in Deutschland echte Wikinger gibt! Das Erreichen des höchsten
Punktes feierten wir zusammen mit Geir und Kari aus Norwegen bei einem kräftigen Schluck „Linie Aquavit“, der schon 20 mal den Äquator überquert hat. In Fontenoy trafen wir auf
eine Yacht auf dem Rückweg nach Stuttgart. Vater und Sohn hatten zwölf Jahre in der Karibik verbracht. Bei einem Glas Cola bekamen wir viele wichtige Informationen über die schönsten Ankerplätze, gefährliche Gegenden, das Tauchen mit Haien und erfolgreiches Hochseeangeln.
Auf der Flucht vor der Kälte wurden unsere Etappen auf der Saone immer länger. Wir waren sehr darauf bedacht, abends eine Steckdose für unseren kleinen Heizlüfter zu finden. Leider war das nicht immer möglich,
so dass wir morgens auch einmal mit Eis im Boot erwachten. In Macon gesellte sich Rick, ein Mathelehrer aus London, zu uns. Vor sechs Monaten hat er mit dem Segeln begonnen und ist nun alleine unterwegs auf dem
Weg ins Mittelmeer. In der Millionenstadt Lyon fuhren wir von der Saone in die Rhone. Unsere Reisegeschwindigkeit nahm deutlich zu. Die starke Strömung der Rhone erfordert vor allem bei den An- und
Ablegemanövern starke Nerven. Hier stößt unser 10 PS Motor an seine Leistungsgrenze. Eine Stelle, die wir einmal passiert haben, können wir nicht wieder erreichen. Die Rhone ist für uns eine Einbahnstraße. Für
kleine Boote gibt es kaum geeignete Anlegeplätze. Der Schwell der großen Frachtschiffe bringt Sarei ganz schön zum Schaukeln. K.O. hatten wir uns gerade ins Bett gelegt, als ein besonders großes Exemplar das Schiff
heftig ins Rollen brachte. Augenblicklich waren wir hellwach. Ein lautes Krachen auf Deck ließ nichts Gutes verheißen. Der Mast lag quer über der Reling und im Schlafanzug mussten wir ihn wieder sichern. Rick wurde
gar eine Klampe aus dem Rumpf gerissen. In den Schleusen der Rhone kamen wir uns winzig vor. Die größte überwindet einen Höhenunterschied von 22 m! Es ist ein Gefühl, als ob man in eine Gruft hinabgelassen wird.
Da sie aber alle mit Schwimmpollern ausgestattet sind, war es für uns sehr bequem. Hier in Avignon liegen wir direkt hinter der berühmten St. Benezet Brücke mit Blick auf den Papstpalast. Jetzt fehlt uns nur
noch der, für Avignon angekündigte, Sonnenschein. Avignon bedeutet für uns Abschiednehmen. Hier trennen sich die Wege unserer kleinen Gruppe. Die einen fahren über den Winter nach Hause, die anderen ins östliche
Mittelmeer und wir wollen weiter in westliche Richtung.
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