Balearen

A B S C H N I T T E

Puerto de Andraitx (Mallorca) 14.04.04

Am Dienstag den 06.04.04 war es endlich soweit. Für „Sarei“ hieß es „Leinen los“ in Barcelona und Kurs Mallorca. Vorher mussten wir aber noch „Abschied nehmen“ von all unseren Freunden in der Marina. Nach drei Monaten des Zusammenlebens viel uns das besonders schwer. Schnell wurden noch die letzten Emailadressen und Telefonnummern ausgetauscht. Nigel hatte für uns ein „Abschiedsabendessen“ gekocht. Wir saßen in seinem Cockpit und haben uns die Sterne angeschaut. Wen wir wohl noch mal wieder treffen werden?
Der nächste Morgen begrüßte uns mit Wind aus Süden. Also war Kreuzen angesagt. Doch schon bald drehte der Wind und wir konnten Mallorca anlegen. Zum ersten Mal kam auch unsere Windfahnensteuerung zum Einsatz. Fahne in den Wind gedreht und Pinne belegt, so einfach steuerte sich das Boot von selbst. Von der „Sklaverei“ des Rudergehens befreit, wussten wir im ersten Moment nicht was wir tun sollten. Gebannt starrten wir auf den Kompass.
Gegen Abend bekamen wir Besuch von einem kleinen Vogel. Der Wind hatte das „Wollknäuel“ wohl aufs Meer geblasen. Froh sich ein wenig ausruhen zu können, wurde jeder nur denkbare Platz im Cockpit ausprobiert (einschließlich Saschas Arm). Anschließend folgte ein Rundflug durch unsere Kajüte. Aber nach Mallorca wollte er offensichtlich nicht, denn nach einigen Minuten verließ er uns wieder. (Auch wenn er nach einer Viertelstunde noch einmal zurückkam.).
Mit einem spitzen Aufschrei von Amrei: „Delfiiiiiiiiine!!!!“, wurden unsere nächsten Gäste begrüßt. Etwa fünf Tümmler surften in unserer Bugwelle und verabschiedeten sich dann wieder. Noch mehrmals in der Nacht hatten wir Begleitung von Delfinen. Angekündigt haben sie sich immer mit einem lauten Schnaufen und Prusten.
In der Nacht haben wir unseren Wachrhythmus ausprobiert. Von 1900 bis 2200 Uhr Amrei, von 2200 bis 0100 Uhr Sascha, von 0100 bis 0400 Uhr Amrei und von 0400 bis 0700 Uhr noch mal Sascha. Richtig schlafen konnten wir allerdings noch nicht!
Um 11 Uhr tauchten die Konturen von Mallorca aus dem Dunst auf. Doch bis nach Puerto Soller war es noch ein weiter Weg. 15 Meilen (1 Seemeile = 1852m) vor unserem Ziel schlief der Wind ein und wir mussten den Motor starten. Plötzlich, ohne Vorankündigung, blies uns ein Wind der Stärke 6 um die Ohren! Schnell wurde die große Genua geborgen (gar nicht so einfach) und nur unter Groß ging es mit 5 Knoten in die Bucht von Soller. Nach 30 Stunden Fahrt fiel der Anker um 17 Uhr in dem schönen Naturhafen.
In der zweiten Nacht frischte der Wind merklich auf und ein unangenehmer Schwell machte schlafen an Bord unmöglich. Wir gingen Ankerwache und sahen zwei andere Yachten an uns vorbei driften. Unser Bügelanker hielt! Morgens tauschten wir unsere Erlebnisse der Nacht mit Mike und Alex von der österreichischen Yacht „Sevens“ aus. Sie wollten die Insel umsegeln und boten uns deshalb ihren Liegeplatz in Palma an. Diese Gelegenheit wollten wir uns nicht entgehen lassen und segelten zwei Tage später in die Bucht von Palma. Gerade hatten wir den Marineros klargemacht, dass alles seine Richtigkeit hat, da deuteten sie auf die Hafeneinfahrt: „Sevens!“. Der Wind war so gut, dass sie die Insel in Rekordzeit umrundet hatten. Wir fanden aber noch einen Platz an der Außenmole.
Jetzt liegen wir in der schönen Bucht von Puerto Andraitx und haben unser erstes Bad im Meer genossen (15°C).
Sobald das Wetter etwas stabiler wird, wollen wir mehr von der Süd- und der Ostküste sehen, von dort soll es dann nach Menorca gehen.

Mahon (Menorca) 21.05.04

Langsam hangelten wir uns die Küste Mallorcas entlang. Cala Pi war die erste von vielen Buchten in der unser Anker viel (Cala = kleine Bucht). Vier Jahre zuvor hatte Amrei von dieser wohl bekanntesten Cala Mallorcas eine Postkarte geschickt bekommen, da Sascha dort während seines Ausbildungstörns eine Nacht verbracht hatte. In den letzten vier Jahren hatte sich nichts verändert, selbst die alte Baumaschine rostete noch am selben Platz vor sich hin.
Zwei Tage später setzten wir Kurs Richtung Cala Santany, eine relativ offene Bucht mit breitem Sandstrand. Um diesen idyllischen Ort nicht mit lautem Dieselgeknatter zu stören legten wir am nächsten Morgen unter Segel ab, und mit einem Reff im Großsegel ging es nach Porto Petro einem geschütztem Fischerhafen. Leider war der Ankergrund nicht sehr gut, doch Sascha entdeckte beim Tauchen in 4m Tiefe einen großen Mooringblock, an dem wir das Boot festmachten und somit beruhigt schlafen konnten. In voller Blütenpracht präsentierte sich Cala Mitjana. Eine Bucht die von Land her nicht zugänglich ist, da im Privatbesitz. Dieses kleine Paradies hatten wir ganz für uns alleine.
Als wir in Porto Colom einliefen, hatten wir zwei Tage für die kleine Stadt eingeplant. Dass daraus unfreiwillige eineinhalb Wochen werden würden, ahnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Zweimal am Tag empfangen wir die Wetterprognose per Funkfernschreiben vom Deutschen Seewetteramt Hamburg. Diese (s.u.) verhieß nichts Gutes:

GENERAL SYNOPTIC SITUATION:

LARGE GALE CENTRE 993 SOUTH OF THE BALEARIC ISLANDS AND
EASTERN SEA OF ALBORAN, MOVING EASTNORTHEAST, TODAY EVENING
CORSICA AND BALEARIC ISLANDS.
HIGH 1015 SOUTHWEST OF CRETE,
A LITTLE MOVING EAST. LOW 1008 EAST OF CYPRUS, NARLY
UNCHANGED. HIGH 1017 EASTERN UKRAINE AND SOUTHRUSSIA,
MOVING NORTHEAST. HIGH 1035 NORTHWEST OF THE AZORES,
STATIONARY.

BALEARIC ISLANDS (39.4N  3.7E) SST: 16 C
WE 05. WZ: W    6-7  /   8   2  M     //
WE 05. 18Z: W    6-7  / 7-8  2.5 M     //
TH 06. 00Z W      7   / 8-9  3  M RAIN //
TH 06. 06Z: W-NW 6-7  / 8-9  3  M     //
TH 06. 12Z: W-NW   6   /   7   2.5 M     //
TH 06. 18Z: W    5-6  /   7   2  M     //
FR 07. 00Z: W    4-5  /       1.5 M     //
 

Bei Böen bis zur Windstärke 9 mussten wir auf den Landgang verzichten. Legte der Wind aber eine kurze Pause ein, stiegen wir mutig ins Dingi und ruderten zum Supermarkt immer ein wenig nervös, ob wir auch problemlos wieder zum Boot zurückkommen würden.
Als das Seewetteramt wieder gute Prognosen sendete, konnten wir endlich den Anker lichten. Nach kurzem Zwischenhalt in der Cala Magraner wollten wir in Porto Cristo die berühmten Höhlen „Cuevas de Drach“ besichtigen. Die Tropfsteinhöhle mit ihren tausenden Stalagmiten und Stalaktiten bietet einige faszinierende Ansichten. Nur unter großer Gefahr gelang es Sascha ein Photo zu schießen, da jeder Versuch sofort lautstark von einem ärgerlichen „Security-Mensch“ unterbunden wurde. Schließlich sollte man am Ausgang auch die Postkarten kaufen. Von dem groß angekündigten „Lichtspektakel“ waren wir etwas enttäuscht. Sascha hätte es sicher besser gemacht. Als wir nach einer Stunde zusammen mit 5 – 6 Busladungen „Touris“ die Höhle wieder verließen, war unser Bedürfnis nach „Attraktionen“ für die nächste Zeit gestillt.
Zurück bei „Sarei“ hatte ein unangenehmer Schwell eingesetzt. Mit der Zeit wurden die Wellen immer höher. Als dann unser Eintopf nicht mehr auf dem Herd stehen bleiben wollte, verholten wir uns in den kleinen Hafen. Dass unsere Entscheidung richtig war zeigte sich am nächsten Morgen als sich in der Bucht (und über der Hafenmauer) beeindruckenden Wellen brachen. Der Hafen wurde kurzerhand mit einer roten Leine gesperrt. Einige Boote weiter an der Hafenmauer trafen wir auf Eric und Chris, die gerade dabei waren die Sturmschäden der vergangen Nacht zu reparieren (ausgerissene Klampen und gebrochene Mooringleinen). Kurzerhand luden wir sie zum Abendessen ein. Beide haben acht Jahre in der Karibik verbracht und hatten viele abenteuerliche Geschichten zu erzählen. Als wir um halb zwei in unsere Kojen krabbelten, gingen uns die vielen neuen Eindrücke noch lange im Kopf herum (vielleicht auch das ein oder andere Glas vino tinto). Chris und Eric waren etwas enttäuscht, als wir schon zwei Tage später wieder aufbrechen wollten. Doch uns zog es jetzt zu unserer nächsten Baleareninsel Menorca. Die letzte Nacht verbrachten wir in einer geschützten Bucht nahe Cala Ratjada.
Bei einem Wind der Stärke 4 aus NNO konnten wir die Windfahne auf Kurs Menorca einstellen. Mit 5 Knoten am Wind verschwanden die Berge Mallorcas bald achteraus und schon tauchte im Dunst vor uns die Kontur Menorcas auf. Drei große Delfine schwammen heran um uns ein Stück zu begleiten. Vom Bugkorb aus konnten wir sie fast mit unseren Händen streicheln. Sie hatten ihren Spaß dabei in den Wellen zu surfen und so hoch wie möglich aus dem Wasser zu springen.
Sechs Stunden später fiel unser Anker in dem türkisgrünen Wasser der Bucht Cala Santa Galdana.
Der Wind sollte entscheiden, ob wir links- oder rechtsherum um Menorca segeln würden. Von einem Lufthauch abgesehen war von Wind jedoch noch nichts zu spüren. So steuerten wir die nächste Bucht für einen kurzen Badeaufenthalt an. Von einem Folkeboot winkte uns jemand freundlich herüber. Es war gerade dabei aus der Bucht zu kreuzen. Schnell saß Sascha im Dingi und ruderte zu den beiden herüber. „Wollt ihr Bücher tauschen?“, war ihre erste Frage. „Wir haben zu viele davon!“ Mit einem Pack Bücher kam Sascha zurück zu Sarei. Zwei Minuten später fiel auch wieder der Anker von „Tadorna“. Yvonne und Bartek sind mit ihrem Folkeboot „außen herum“ ins Mittelmeer gesegelt und nun quasi auf dem Rückweg nach Hamburg (www.tadorna.de). Als eine leichte Brise das Wasser kräuselte, beschlossen wir ein Stück gemeinsam zu segeln. Wir machten gegenseitig „Segelfotos“ und als der Wind einschlief hatten wir viel Spaß dabei die Boote Richtung Strand zu rudern.
Gemeinsam ankerten wir in der Cala Coves, einer Bucht mit kristallklarem Wasser die von prähistorischen Höhlen umgeben ist. Bei einem Landausflug ging auch ein großer Traum von Sascha in Erfüllung. Am Wegesrand entdeckte er eine Landschildkröte (Mittelmeerschildkröte) in ihrer natürlichen Umgebung.
Nun sind wir in der großen Bucht von Mahon, der Hauptstadt Menorcas und genießen zur Abwechslung das Stadtleben.

Puerto Sabina (Formentera) 21.06.04

Nachdem wir auch noch die restlichen Buchten von Menorca erkundet hatten, saßen wir vor dem Wetterbericht der nächsten fünf Tage und überlegten, wann wohl der geeignete Zeitpunkt für die Fahrt zurück nach Mallorca wäre. „Message!“ piepste das Handy und uns wurde die Entscheidung abgenommen. „Wir sind in Soller (Mallorca) und wo seid ihr?“, lautete die SMS von Jessica und Pierre unseren schwedischen Freunden aus Barcelona. Also starteten wir am nächsten Morgen Richtung Soller, auch wenn das hieß stundenlang den „Dieselwind“ einzuschalten. Wir freuten uns schon sehr auf den neusten Tratsch aus Barcelona. Bei einem leckeren Abendessen auf „Alegria“ tauschten wir unsere Erlebnisse aus.

Eine Nachtfahrt sollte uns nach Ibiza bringen. Als wir abends um 19 Uhr die Segel setzten, hatten wir mehr Glück mit dem Wind. Mit vier bis fünf Knoten sausten wir los (1 Knoten = 1,8 km/h). Um 10 Uhr morgens viel der Anker in der Bucht von Portinatx und wir sprangen zur Erfrischung erst mal ins Wasser. Nach einigen Stunden Schlaf segelten wir in die Bucht von Binirras, die uns wegen ihrer Schönheit empfohlen wurde. Hier saßen wir entspannt im Cockpit und beobachteten zwei Jollensegler, die „vor dem Wind“ aus der Bucht kreuzten, als käme der Wind von vorne! Bei jeder Halse (bei ihnen sah es aus wie eine Wende) drohten sie zu kentern. Freundlich winkten sie uns zu und wir schauten ihnen noch nach, bis sie aus unserem Blickfeld entschwanden. Bei ihrer Rückkehr war es dann soweit, am Eingang der Bucht kenterte ihr Boot und die beiden schwammen im Wasser. Normalerweise ist es kein Problem eine Jolle wieder aufzurichten, doch diese zwei hatten sichtliche Mühe. Jedes Mal, wenn sie aufs Schwert stiegen tauchte der Bug ab und das Heck zeigte „titanicmäßig“ in den Himmel. Zehn Minuten später machten wir unser Dingi zum Rettungsboot und ruderten den ihnen entgegen. Schon von weitem machten sie durch Winkzeichen auf sich aufmerksam. Sichtlich erschöpft und durchgefroren waren sie glücklich uns zu sehen. Für uns war es dann auch noch mal ein ganzes Stück Arbeit, das Boot wieder umzudrehen. Es hatte vorne eine offene Luke und keinerlei Auftriebskörper und wäre deshalb beinahe gesunken.
Schnell holten wir alle unsere Fender und auch noch den Rettungskragen und stopften die Jolle damit voll. Die nun annähernd waagerechte Schwimmlage ermöglichte es uns das Segelboot mitsamt der Besatzung an den Strand zu rudern. Ganze vier Stunden hat die komplette Aktion gedauert. Die beiden können wirklich froh sein, dass sie nicht draußen vor der Bucht gekentert sind! Hätten sie doch mal besser einen Segelkurs in der DJH-Segelschule Bad Zwischenahn gemacht!

Da wir wussten, dass man in Ibiza-Stadt (oder Eivissa) nicht ankern kann, ließen wir unser Boot in Sant Antoni alleine und fuhren mit dem Bus quer über die Insel. Während der Mittagshitze zog es uns in die schöne Altstadt mit ihren schmalen Gassen und den weißen Häusern. Das bunte Treiben auf den nächtlichen Strassen war leider nicht so dolle wie wir erwartet hätten. Plötzlich tippte uns jemand auf die Schulter und als wir uns umdrehten stand Xavier, den wir aus Barcelona kannten, hinter uns. Bei einer Cola sprachen wir über unsere weiteren Pläne. Denn auch er möchte kommenden Winter nach Brasilien segeln.

Die nächsten Buchten glichen eher einer Partyzone als einem ruhigen Ankerplatz. Aus Lautsprechern dröhnte laute Musik, alle par Minuten sauste das Bananaboot an uns vorbei, Jetskis jaulten um die Wette und mit dem Parasail konnte man sich hinter einem Motorboot in die Lüfte erheben. Uns aber zog es in ruhigere Gefilde, wir wollten nach Espalmador, einer kleinen privaten Insel zwischen Ibiza und Formentera. Wir hatten den Eingang der Bucht schon erreicht, als plötzlich eine dunkle Wolkenwand den Himmel verfinsterte. Schon rauschte die erste Bö heran und wie von einer großen Faust gepackt, legte sich Sarei auf die Seite. Wir fierten die Schoten und versuchten Beizudrehen. Nach mehreren Anläufen drehte sich der Bug endlich durch den Wind. Schnell war das Fall gelöst und das Großsegel kam herunter. Mit backgesetzter Fock und Pinne in Lee machte Sarei noch 2,8 Knoten Fahrt über Grund. Ein britischer Segler mit einem Windmesser bestätigte uns später 45 Knoten Wind (Windstärke 9). Als ca. eine Stunde später der Wind etwas abflaute, nahmen wir die Fock über und liefen Richtung Ibiza ab. Abends viel unser Anker in einer der schönsten Buchten der Insel. Zwei Tage später konnten wir dann Formentera anlegen und hatten einen schöne Passage. Hier zwischen den Lagunen und Sandbänken wollen wir bis zum Ende des Monats bleiben, um dann weiter nach Gibraltar zu segeln.

verantwortlich für die Web- Präsentation: A. Vogels

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Amrei bei der Abfahrt aus Barcelona
Letzter Blick auf Barcelona.
Delfine zu Besuch.
Bucht von Soller
Porto Soller
Palma Kathedrale

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Cala Pi
Cueva de Drach
Tadorna
Sarei mit Sonnensegel
Sascha schleppt Sarei
Amrei und Sascha
Cala Coves
Cala Coves
Sascha mit Schildkroete

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Amrei  halb unter Wasser
Cala Binirras
Ibiza Amrei und Xavier
Sascha ganz unter Wasser
Blumen auf Ibiza
Weisse Haeuser auf Ibiza
Sarei unter Segeln
Sascha bei der Köperpflege