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Degras des Cannes, Französisch Guyana, 14.08.05
Sechs Knoten, sieben Knoten und schließlich phantastische acht Knoten zeigt das GPS. Zu verdanken haben wir diese rauschende Fahrt dem Brasilstrom, der uns mit durchschnittlich zwei Knoten unterstützt. Der
Bug zeigt noch Nordwest, unser Ziel heißt Französisch Guyana. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, 1300 Seemeilen liegen vor uns.
Nach sechs Monaten Brasilien müssen wir das Land verlassen, ob wir wollen oder nicht, unsere Visa sind abgelaufen. Der Abschied von Brasilien, seinen sympathischen Einwohnern und unseren Freunden fällt uns
schwer.
Sascha hat in Jacare eine neue Antenne für unser Kurzwellenfunkgerät gebaut, so können wir mit den anderen Seglern in Kontakt bleiben. Auch mit den Stationen von Intermar, dem deutschen Amateur-
Seefunknetz, sprechen wir jetzt täglich. Wir geben unsere Position durch und werden mit dem Wetterbericht versorgt.
„Das darf doch nicht wahr sein, ist das nicht ein Ruderboot?“ Hundert Meilen vor der Küste kann es sich doch nur um einen Schiffbrüchigen handeln. Als wir das Boot mit zehn Meter Abstand passieren, winkt
uns der vermeintlich Schiffbrüchige mit einem großen Fisch zu. Wir haben jedoch keine Zigaretten zum Tausch und sind viel zu schnell, so dass aus der Fischmahlzeit nichts wird. Beim Weitersegeln tauchen immer mehr
dieser Einmannruderboote auf. Wir müssen schon genau hinsehen, um sie zwischen den Wellen zu entdecken. Ganz am Schluss sehen wir das große Mutterschiff, das, am Ende des Tages, hoffentlich alle wieder einsammeln
wird. Wir möchten nicht wissen, wie viele von diesen mutigen Fischern für immer auf See bleiben.
Nach neun Tagen auf See laufen wir in das Mündungsdelta des Oyapock ein. Als wir das Echolot einschalten, kriegen wir einen Schreck, 2,50m Wassertiefe, Tendenz sinkend. „10 Grad Steuerbord, noch mal 5 Grad
Steuerbord!“ 1,50m, 1,40m nach einer bangen Viertelstunde wird es wieder tiefer.
Der Oyapock ist der Grenzfluss zwischen Brasilien und Französisch Guyana. Wir möchten jedoch den Ouanary, einen Nebenfluss, erkunden. Trotz GPS-Wegpunkt ist es gar nicht so einfach die richtige Einfahrt zu
finden. Und plötzlich befinden wir uns mitten im Dschungel. Wir ankern vor einem verfallenen Steg. Ein mit Kokosnusspalmen bewachsener Pfad führt zu einer Ansiedlung. Schon von weitem hören wir das Geknatter eines
Dieselmotors, der den Ort mit Strom versorgt. In der „Dorfkneipe“, eine Terrasse eines Hauses, treffen wir den Bürgermeister und ein paar Einwohner. Mit unseren geringen Französischkenntnissen bringen wir in
Erfahrung, dass es eine Schule, aber keinen Bäcker und kein Geschäft gibt. Kaufen kann man hier nichts. Wir fragen uns, wovon die Bewohner leben und was sie den ganzen Tag machen.
Weiter geht es flussaufwärts. Eine undurchdringliche grüne Mauer säumt die Ufer. Laut schimpfend fliegen Schwärme von Papageien über uns hinweg. Wenn man Glück hat, sieht man die Affen von Baum zu Baum
springen. Beim Dingiausflug scheuchen wir einen Kaiman auf.
Nach ein paar Tagen freuen wir uns wieder auf die Zivilisation, unser nächster Stopp heißt Degras des Cannes in der Nähe von Cayenne.
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