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Galapagos, Santa Cruz, Puerto Ayora den 24.05.06
„Wir sind im Pazifik“, ruft Sascha unseren Bootsnachbarn Ian und Kathy zu und macht dazu einen kleinen Luftsprung. Der Panamakanal liegt hinter und ein neuer Ozean vor uns. Der Motor hat gut funktioniert
und in den Schleusen hatten wir nichts zu tun. „Gehen sie an der großen Yacht da vorne längsseits“, lautet die Anweisung des Piloten, „dann brauchen wir keine Leinen zu bedienen.“ Gut dass Sarei so ein kleines Boot
ist!
„Hier ist HP1XX mit dem Pacific-Island-Net“, tönt es aus unserem Funkgerät. Von nun an begleitet uns Günters Stimme auf dem Weg in die Südsee. Seit 12 Jahren wohnt der ehemalige Kölner, zusammen mit seiner
Frau Susanne, auf Contadora einer Insel der Las Perlas Gruppe im Golf von Panama.
„Bitte, bitte bringt Bücher zum Tauschen mit wenn ihr kommt“, die beiden freuen sich immer über Besuch von Seglern. Wir bleiben zwei Tage länger als geplant, da Sascha noch beim Aufbau einer neuen Antenne
hilft.
Die Stimmung an Bord ist gut, denn entgegen aller Wetterprognosen kommen wir schnell voran. Nach zwei Tagen schläft der Wind ein, wir sitzen, noch fröhlich, im Cockpit und beobachten das Meer. Das Wasser
scheint zu kochen, tausende kleiner, silberner Fische springen um uns herum. Plötzlich öffnet sich, drei Meter neben Sarei, ein riesiges Walmaul. Das Tier (größer als Sarei) legt sich auf die Seite und saugt den
Schwarm genüsslich ein. Abendbrotzeit! Wenig später beteiligt sich noch ein zweiter Wal am großen Fressen.
Als der Wind wiederkommt bläst er uns leider genau „auf die Nase“. Mit einer Wende versuchen wir einen günstigen Kurs anzulegen, doch bei zwei Knoten Gegenströmung können wir nur nach Südost, Richtung
Ecuadors Küste, segeln. Die nächsten Tage arbeiten wir uns mühsam und frustriert weiter nach Süden vor. Erst als wir den Äquator überquert haben, können wir Kurs auf Galapagos nehmen.
„Sascha, du hast die Leine viel zu lang raus gelassen.“ In Panama haben wir uns mit neuen Angelhaken versorgt, nun versuchen wir unser Glück. „Ich habe den Fisch für fünf Uhr bestellt“, und tatsächlich
spannt sich kurz vor fünf die Leine. Doch drei Tieren gelingt im letzten Augenblick die Flucht, bevor wir das Abendessen an Bord holen können. Eine Stunde später (den blutigen Teil lassen wir aus ästhetischen
Gründen weg) brutzeln köstliche, panierte Thunfischfilets in der Pfanne.
Die Spanier nennen die Galapagosinseln „Islas Encantadas“, verwunschene Inseln. So wirken sie auch auf uns. Zur Einstimmung besuchen wir die Darwin Station. Hier werden die Schildkröteneier ausgebrütet,
erst wenn sie groß genug sind werden die Landschildkröten auf ihre Heimatinsel zurück gebracht. Jede Insel hat ihre eigene Art.
Wir kennen ihn schon von sämtlichen T-Shirts aus den Souvenirläden, „Lonsome George“. Er ist der letzte seiner Gattung, 1972 wurde er auf der Insel Pinzon gefunden und in die Station gebracht. Die
Suche nach einem passenden Weibchen für ihn verlief bis jetzt erfolglos, obwohl er sich in der Blüte seiner Jugend befindet mit seinen gerade mal ca. 150 Jahren und 250 kg Lebendgewicht.
An einem der nächsten Tage machen wir einen Ausflug zu der Nachbarinsel Seymour Norte. CheChe, unser Führer vom Nationalpark, erklärt uns die spezielle Tier- und Pflanzenwelt. Viele der Arten findet man
nur auf den Galapagosinseln. In einer Mulde am Boden brütet ein Blaufußtölpel, wir stehen nur einen Meter davon entfernt, doch er lässt sich nicht stören. Aber nicht nur wir laufen zwischen den Nestern umher,
sondern auch die Leguane, diese 1,5 m großen „Dinosaurier“, haben es auf die Eier abgesehen. Etwas höher in den Büschen brüten die Fregattvögel, die Männchen bieten mit ihrem roten Kehlsack einen imposanten Anblick.
Auf Bartolome, einer anderen Insel, haben wir das Glück einige Pinguine zu entdecken. Ausgelassen schwimmen und springen die kleinen Kerlchen im Wasser umher. Beim Aufstieg zum höchsten Punkt haben wir
einen grandiosen Ausblick auf die urzeitliche Vulkanlandschaft. Nach dem schweißtreibenden Spaziergang stürzen wir uns zu den Seelöwen ins erfrischende Nass. Am felsigen Ufer sonnen sich derweil die schwarzen
Meeresleguane.
Jetzt wollen wir die Riesenschildkröten aber noch in freier Natur sehen. Früh morgens fahren wir mit dem Bus ins Hochland der Insel Santa Cruz. Die Luft ist noch kühl und feucht als und der erste
Panzerträger über den Weg läuft. Mit einem lauten Fauchen ziehen sie Kopf und Beine ein, wenn wir ihnen zu nahe kommen. Wir wandern bis zu einem Wasserloch, zu dem die Tiere zum Trinken und Baden kommen. Auf dem
Rückweg sammeln wir noch eine Tüte Maracujas, die hier wild am Wegesrand wachsen.
Als die Galapagosinseln vor ca. 5 Millionen Jahren entstanden, floss heiße Lava von den Vulkankegeln Richtung Meer. Nach dem sie erkaltet war blieben Lavatunnel zurück, die wir heute, ausgerüstet mit
Taschenlampen, erkunden können. Wir sind erstaunt, dass sie an manchen Stellen bis zu fünf Meter hoch sind.
In ein paar Tagen wollen wir den Anker lichten, um nach Isabela, der größten Insel der Gruppe, zu segeln. Dort bereiten wir uns auf die längste Etappe unserer Reise vor. Über 3000 Seemeilen geht es zu den
Marquesas- Inseln in die Südsee. Da wir nicht wissen wie lange wir für die Fahrt brauchen und ob es auf den Marquesas ein Internetcafe gibt, kann es mit dem nächsten Bericht etwas dauern.
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