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Gibraltar, 13.07.04
Formentera - Gibraltar nonstop, dass sollte unsere erste Langfahrt werden! Endsprechend aufgeregt waren wir in den Tagen davor. Wie immer hatten wir noch eine Liste mit Arbeiten, die erledigt werden
mussten. Der Lukendeckel im Cockpitboden brauchte kentersichere Verschluesse, dass GPS musste programmiert und die Seekarten sortiert werden. Als der Wetterbericht fuer die kommenden fuenf Tage nordoestliche Winde
um 4 - 5 vorhersagte, legten wir den Abfahrtstermin auf den naechsten Morgen fest. Doch bevor wir Kurs Gibraltar anlegen konnten, mussten wir noch in den Hafen von Formentera um Wasser und Proviant zu bunkern. Dort
wollte man von uns 9 Euro fuer ganze zwei Stunden Aufenthalt (ohne das Wasser)! Interessehalber erkundigten wir uns noch nach dem Preis fuer eine Nacht, 65 Euro haette sie fuer unser Boot gekostet. Fuer ein letztes
Bad im kristallklaren Wasser der Insel drehten wir eine Stunde spaeter bei und sprangen ueber Bord (nacheinander natuerlich). Das Meer war ruhig, so dass wir abends im Cockpit sassen und Gemuese fuer einen
Eintopf schnibbelten. Das Kochen an Bord ist eine Kunst fuer sich. Einen Moment Unaufmaerksamkeit und schon fliegt eine Schale mit Muesli durchs Boot, die Olivenoelflasche faellt um oder die Kartoffeln rollen auf
dem Fussboden. Eigentlich muesste man mehr als zwei Haende haben, um alles unter Kontrolle zu behalten, zumal wir noch keine vernuenftige Topfhalterung haben. Unsere Obst- und Gemueseeinkaeufe waren gut kalkuliert,
so mussten wir bis Gibraltar keine Dose aus unserem Vorrat oeffnen. Sobald die Sonne hinter der Kimm verschwand, schalteten wir die Navigationslichter und das Kompasslicht ein. Jetzt begann unser ueblicher
Wachrhythmus, fuer die naechsten drei Stunden verzog sich Amrei in die Koje. Doch an Schlaf war in dieser ersten Nacht auf See noch nicht zu denken, dazu schwirrten uns zu viele Gedanken im Kopf herum. In der
zweiten Nacht ging es dafuer um so besser, d.h. aber nicht, dass wir drei Stunden durchschlafen konnten. Beim Segelschiften, Kurswechsel und kritischen Schiffsbegegnungen waren wir immer zu zweit an Deck. Wenn keine
Arbeiten zu erledigen waren, schauten wir in den Sternenhimmel oder zu unseren Begleitern, den Delfinen. Wenn sie aus dem Wasser sprangen, war ihre Haut von unzaehligen kleinen Leuchtalgen bedeckt. Das sind fuer uns
die schoensten Momente beim Segeln. Auch tagsueber besuchte uns eine Schule von mindestens 15 Delfinen. Eine Dreiviertelstunde lang verwoehnten sie uns mit einer zirkusreifen Vorstellung. Auf dem Bauch liegend
konnten wir sogar ihre Rueckenflossen beruehren. Fuer das Mittelmeer untypisch kam der Wind bestaendig von hinten und wir freuten uns ueber ein Etmal von 113 Seemeilen. Nachdem Cabo da Gata hinter uns lag flaute
der Wind allerdings ab. Verwundert schauten wir auf unser GPS, dort stand, das wir unseren Kurs um 90 Grad aendern sollten. Dabei hatten wir doch immer noch den richtigen Kompasskurs!? Sollte das GPS etwa kaputt
sein? Schnell schalteten wir unser Ersatzgeraet ein, doch auch hier die gleiche Anzeige. Sollte an dieser Stelle etwa eine magnetische Stoerung vorliegen? Doch die Loesung war viel einfacher, eine Gegenstroemung
hatte uns erfasst und seitlich versaetzt. Fuer zwei Stunden starteten wir den Motor, um nicht zu weit abgetrieben zu werden. Kurzfristig ueberlegten wir einen Ankerplatz an der Kueste anzusteuern. Aber so kurz vor
unserem Ziel wollten wir dann doch keinen Stopp mehr einlegen. Der Wind nahm bald wieder zu. In der letzten Nacht leuchtete uns das Licht von Europa Point den Weg. Dieser beruehmte Leuchtturm von 1841 markiert
den suedlichsten Punkt des europaeischen Festlandes. Sascha suchte in der CD-Sammlung die geeignete Musik fuer diesen Augenblick. Was koennte besser zu dieser Stimmung passen, als der Soundtrack von dem Film
Titanic. Bei Sonnenaufgang tauchte im Dunst vor uns der gewaltige Felsen von Gibraltar auf: The Rock! Am Morgen des fuenften Tages fiel der Anker in La Linea de la Concepcion nur einen Steinwurf von Gibraltar
entfernt. Unser erster Eindruck war enttaeuschend, die von Industrie und Wohnblocks a la Plattenbau gepraegte Landschaft wirkte wenig einladend. Der Felsen von Gibraltar ist durch eine schmale Landenge mit dem
spanischen Festland verbunden. Diese dient gleichzeitig als Hauptstrasse zur Grenze und Fluglandebahn! Trotz seiner imposanten Erscheinung, sichtbar aus hundert Kilometer Entfernung, ist Gibraltar relativ klein, mit
einer Flaeche von knapp 6 Quadratkilometern. Natuerlich wollten wir auch die beruehmten Affen besuchen. Zum ersten mal mussten wir an einer Landesgrenze unseren Pass vorzeigen! Direkt dahinter galt es die
Fluglandebahn zu ueberqueren. Ein Schild weisst darauf hin, dass man dieses moeglichst schnell tuen und dabei keinen Muell verlieren soll. Nach einer einstuendigen Kletterpartie unter der sengenden Sonne
Suedspaniens (oder sollten wir besser Suedengland schreiben?) sichteten wir die ersten Berbermakaken. Einer sass gemuetlich auf dem Rueckspiegel eines parkenden Autos, der andere am Steuer! Gerade wollte Sascha
diese Szene Fotografieren, als sich ein weiterer Makake ruecklinks auf ihn stuertzte. Ziel der Attacke war ein Baguette in unserem Rucksack. Geschickt klaute er das Brot und sprintete in den naechsten Baum,
unerreichbar fuer uns. Na dann, guten Apettit! Unterbrochen von vielen kurzen Pausen im Schatten von Eukalyptusbaeumen erreichten wir den Gipfel auf 426 m. Von hier aus hatten wir eine tolle Aussicht ueber die
Strasse von Gibraltar bis zum Djebl Musa in Afrika, welcher zuammen mit dem Felsen von Gibralter die Saeulen des Herkules bildet. Auf dem Rueckweg spazierten wir durch die Fussgaengerzone, wo sich ein
Spirituosenladen neben dem anderen befindet, nur unterbrochen durch Elektroniklaeden. Diese ganzen Erlebnisse wollten wir natuerlich sofort in einem neuen Internetbericht unterbringen. Doch, oh Schreck, der
Computer wollte nicht mehr hochfahren! Enttaeuscht erhielten wir die Diagnose: Festplatte kaputt! Eine neue Festplatte gibt es nicht mehr fuer unseren Computer. Das Schlimmste aber war, dass unsere ganzen Fotos
verloren sind! Tristan munterte uns wieder auf. Er kommt aus Frankreich, ist etwas juenger als wir und ist allein mit seinem Boot unterwegs. Mit seiner Familie ist er schon fuenf Jahre in der Karibik gesegelt.
Fuer seine einsamen Nachtwachen hat er Ulrich. Drueckt man auf den Bauch dieses Nagetiers, jodelt er einem was vor, wie der beste Bayer. Wir machten uns auf die Suche nach einem neuen Laptop. Gibraltar bietet
eine grosse Auswahl und nach einigem Suchen fanden wir das passende Modell. Diesmal mit CD-Brenner zum Speichern der wichtigen Daten! Leider hat er eine englische Tastatur ohne die Umlaute und mit vertauschtem z
bzw. y. Wenn also jemand von Euch weiss wie man die fehlenden Zeichen bekommt, bitte schreibt uns (Windows XP)! Jetzt warten wir auf eine passende Gelegenheit, um durch die Strasse von Gibraltar in den Atlantik
zu gelangen.
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