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27.11.2004 Los Christianos (Teneriffa)
Mittwochabend 17.11.04, das Nudelwasser kocht bereits als uns lauter Motorenlärm ins Cockpit lockt. Ein großes, dunkelblaues Speedboot umkreist SAREI. Ein heller Suchscheinwerfer blendet uns. „Aduanas,
Customs“, hören wir sie rufen. Schnell suchen wir unser Pässe und Bootspapiere. „Wir kommen rüber!“, und schon kracht der erste Zöllner in unsere Seereling. Der Zweite nimmt mehr Schwung, kommt weiter und landet mit
einem Fuß im Fenster unserer Sprayhood. Ein langer Riss klafft im Plastikmaterial. Sein anderer Fuß verfehlt knapp unser gläsernes Solarpanel.
Sichtliche Schwierigkeiten haben die beiden mit unseren Reisepässen: „Welche Nationalität? Was ist der Name, Nachname etc.?“ Nach einer halben Stunde sind endlich alle Formulare ausgefüllt. Sie geben uns
noch eine Telefonnummer unter der wir den Schaden reklamieren können.
Den Rückweg übernehmen sie auf ähnlich abenteuerliche Weise wie den Hinweg. Da wird dann auch mal der oberste Draht der Seereling als Sprungschanze benutzt, mit dem Resultat einer verbogenen Relingsstütze.
Solche Kleinigkeiten können einen echten „Rambo“ doch nicht aufhalten. Uns jedoch hat dieser Besuch gründlich die Laune verdorben.
Am nächsten Tag segeln wir nach Pasito Blanco, wo schon der Kran auf uns wartet. Langsam hebt sich der Rumpf aus dem Wasser. Ein Meeresbiologe hätte wahrscheinlich die reinste Freude an unserem
Unterwasserschiff (obwohl Sascha alle zwei Wochen getaucht ist um alles abzukratzen). Zunächst rücken wir dem „Kleingarten“ mit Spachtel und Hochdruckreiniger auf dem Leib. In mühevoller Handarbeit schleifen wir die
alte Farbe glatt. Kleine Kratzer werden mit Epoxyspachtel gefüllt. Während wir so beschäftigt sind, versuchen die Mitarbeiter der Marina Kontakt mit der Zollbehörde in Las Palmas aufzunehmen. Wir machen Fotos von
dem Schaden, senden diese per Email an einen Segelmacher, der wiederum faxt einen Kostenvoranschlag zum Zoll. Ob wir jemals Geld zurückbekommen ist jedoch ungewiss.
Wir sind gerade beim Lackieren, als uns ein junger Mann anspricht: „Wollt ihr zufällig über den Atlantik? Ich suche noch eine Mitsegelgelegenheit!“ Solche Anfragen kommen in den nächsten Tagen noch öfter.
Im Hinblick auf unser 8,85m kleines Boot, können wir jedoch diese Wünsche nicht erfüllen.
Nach drei Tagen Arbeit soll SAREI wieder ins Wasser kommen. Mit etwas Sorge schauen wir auf das bevorstehende Manöver. Bei starkem Seitenwind müssten wir eine lange schmale Gasse rückwärts motoren. Aber
bei Rückwärtsfahrt lässt sich unser Langkieler nun mal nicht steuern. Wir fragen den Kranführer, ob er uns mit seinem Boot rauszieht. So im Schlepp kommen wir sicher und ohne unnötige Aufregung aus dem engen
Hafenbecken.
In einer Nacht segeln wir nach Teneriffa. Unser Ziel Las Galletas ist jedoch so überfüllt, das wir nach einigen, missglückten Ankerversuchen wieder Segel setzen und nach Los Cristianos weiterfahren.
Auf Teneriffa wollen wir wandern gehen und natürlich das Museum von Thor Heyerdahl besuchen. Zu seinen Lebzeiten hat er es selber gegründet und geführt.
Von unserem Ankerplatz aus können wir schon La Gomera, unsere letztes Ziel auf den Kanarischen Inseln, sehen. Zu Weihnachten wollen wir dann auf den Kapverdischen Inseln sein. Wir wissen nicht ob es dort
ein Internetcafe gibt. So kann es sein, das der nächste Bericht erst wieder aus Brasilien kommt. Bleibt uns also treu und freut euch auf neue exotische Abenteuer.
(Tschüüüüs Elke!)
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