Neuseeland

A B S C H N I T T E

Opua, Bay of Islands, Neuseeland, den 01.01.07

 

„Hier wachsen unsere Kürbisse, das ist der Mangobaum, die Bananen werden wohl nächste Woche reif und auf unsere Weinrebe sind wir ganz besonders stolz.“ Zwischen den Pflanzen haben große tropische Spinnen ihre Netze gespannt.

Elke und Werner aus Deutschland haben sich ihren Südseetraum erfüllt und leben auf einer, sonst unbewohnten, Insel in Tonga. Anstelle eines Vorgartens haben sie einen paradiesischen Sandstrand zur Lagune. Bei einem Glas selbstgepresstem Mandarinensaft sitzen wir auf der Terasse vor dem, mit Bananenblättern gedecktem, Haus. Den Strom liefern Solarzellen und vom Dach wird das Regenwasser für die tägliche Dusche aufgefangen.

Mit unserem Besuch bei Elke und Werner geht unsere Zeit in der Südsee zu Ende. Wir setzen Segel für die letzte große Etappe nach Neuseeland. Auf dem Weg dorthin wartet noch ein weiteres „Highlight“ auf uns. Am Morgen des vierten Tages fällt der Anker. Doch es ist kein Land in Sicht. Wir drehen uns einmal um uns selbst und sehen doch nur weiten pazifischen Ozean. Wir befinden uns in der Lagune von Minerva Nord. Das schützende, ringförmige Riff ist komplett vom Wasser überflutet. Nur bei Ebbe tauchen die Spitzen der Korallen für kurze Zeit aus dem Meer auf. An der Außenkante fällt der Meeresboden auf 5000m ab. Wir sind das einzige Boot und uns ist etwas unheimlich zumute.

Die Wettervorhersage ist gut und wir setzen Kurs Neuseeland. Kaum haben wir den Pass hinter uns gelassen dröhnt es uns laut in den Ohren. Ein großes Orion-Flugzeug der neuseeländischen Küstenwache überfliegt uns mehrmals in geringer Höhe und wir werden über Funk aufgefordert uns zu melden. „Habt ihr Tiere oder Waffen an Bord?“ „Hattet ihr unterwegs Kontakt zu anderen Booten?“ Und vieles mehr wollten die Neuseeländer wissen. Unglaublich! Um das alles zu erfahren, fliegen sie uns doch tatsächlich 1500 km entgegen.

Nach einigen schönen Segeltagen, wir sind schon fast da, haben wir keinen Wind mehr. Wir holen die große Genua raus, bemüht jeden Luftzug auszunutzen. Meist kommt der auch noch aus der falschen Richtung. Unsere Nerven sind gespannt, sind wir unserem Ziel doch schon zum Greifen nahe. Ein Blick auf die schwindenden Essenvorräte kann uns auch nicht aufbauen. Aufgrund der Preise und der Auswahl in Tonga haben wir knapp kalkuliert. Zur Abwechslung nehmen wir ein Bad im Pazifik, der so weit im Süden schon ungemütlich kalt ist. Doch irgendwann hat Neptun ein Einsehen mit uns und wir erreichen die wunderschöne „Bay of Islands“.

Betreten dürfen wir Neuseeland erst, wenn der Zollbeamte und der Quarantäneoffizier ihr Okay gegeben haben. Getrocknete Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse, Eier und Milchpulver alles wandert in einen großen, schwarzen Sack und wird vernichtet. Eine halbe Stunde später haben wir einen Einreisestempel im Pass und suchen uns einen Platz im Ankerfeld.

Unsere Reisezeit geht so langsam zu Ende und der Geldbeutel ist dünner geworden. Deshalb haben wir uns entschlossen Sarei in Neuseeland zu verkaufen.

Überall platzieren wir Aushänge und auf den ersten Anrufer müssen wir nicht lange warten. Nachdem sich ein Käufer gefunden hat, gilt es noch viel zu organisieren. Wir müssen das Boot importieren, ein Gutachter kontrolliert das Unterwasserschiff und gleichzeitig suchen wir nach einem Kleinbus, unserem neuen Zuhause. In Auckland finden wir einen Toyota „LiteAce“, der für unsere Zwecke genau richtig ist. Denn wir haben vor, Neuseeland in den nächsten Monaten vom Nordkap bis zur Südspitze der Südinsel zu erkunden. Natürlich werden wir auch über diese Abenteuer weiter berichten.

Picton, Neuseeland, den 26.01.07

Der Wind zaust uns durch die Haare, unter uns explodieren die Wellen wo der Pazifik auf die Tasmansee trifft. Wir stehen unter dem Leuchtturm am Cape Reinga, dem nördlichsten Punkt Neuseelands. Vom Land aus, ohne Segelboot, können wir den Anblick der wilden Küste richtig genießen.

Doch lange können wir nicht bleiben, tausende von hungrigen Mücken lassen uns die Flucht gen Süden ergreifen, wo wir Saschas Mutter Elke vom Flughafen abholen.

Unseren maritimen Abschied wollen wir auf dem „Tall Ships Race“ in der Bay of Island feiern. Die Sonne lacht vom Himmel, als sich weit über 100 Boote auf den Start vorbereiten. Auf den Groß-, Rah- und Gaffelseglern, viele mehr als 100 Jahre alt, herrscht geschäftiges Treiben. Ankerketten rasseln, Segel werden gesetzt und Wasserbomben vorbereitet. Wir sind als Crew bei Nick Skeates auf Wylo II, einem einmastigen Gaffelkutter, der im Klassikfeld startet. Der Wind bläst gut, als ein Kanonendonner den Start signalisiert. Wir haben Vollzeug (fünf Segel) gesetzt und rauschen nur so dahin. Die Wenden sind harte Arbeit und es kommt zu spannenden Zweikämpfen.

Nach dem Rennen stärken wir uns beim „Hangi“ (Schwein, Muscheln und Gemüse das für 4-6 Stunden im Erdofen gegart wurde).

Wenn man schon mal im Land der Kiwis ist, möchten wir einen solchen (den Vogel) auch schon gerne zu Gesicht kriegen. Im Vogelhospital von Whangarei haben wir die einmalige Gelegenheit nicht nur einen Kiwi zu sehen, sondern sogar zu streicheln! In ganz Neuseeland ist das die einzige Möglichkeit (Geheimtipp)!

Als Zugabe holt Robert, der Vogeldoktor, noch zwei Blaupinguinbabys. Sie haben ihre Eltern verloren und müssen nun, im Planschbecken, schwimmen lernen. Sobald sie selbständig sind, werden sie zurück ins Meer entlassen.

„Wow, gigantisch, einfach riesig“, uns fehlen die Worte als wir ehrfurchtsvoll vor dem größten Kauribaum der Erde stehen. Neben dem ca. 2000 Jahre alten „Tane Mahuta“, mit seinem Stammumfang von 14m und einer Höhe von 51,5m, kommen wir uns wie Ameisen vor. Über 30 Pflanzenarten leben in der Krone der „Mutter allen Lebens“ (Maoriglaube).

Schwefelgeruch liegt über der Stadt Rotorua, über all dampft und blubbert es aus dem Boden (sogar aus den Gullideckeln). Wir befinden uns etwa in der Mitte der Nordinsel, dem vulkanischen Zentrum Neuseelands. „Mordor“ hieß diese Gegend in dem Film „Herr der Ringe“. Eine achtstündige Wanderung soll uns über die Vulkangipfel bringen. Doch sehen können wir von der atemberaubenden Landschaft leider nichts, als wir um 7 Uhr den 800m hohen Anstieg beginnen. Die Gipfel sind in dichte Wolken gehüllt und es weht ein eiskalter Wind. Bei Sichtweiten unter 20m fühlen wir uns wie im Niemandsland. Auf den schönen Fotos im Informationszentrum schauen wir uns nachher an, was wir alles nicht gesehen haben. Den Seglerbeinen hat es auf jedem Fall nicht geschadet.

Letzte Station auf der Nordinsel ist die Hauptstadt Wellington. In dem wirklich empfehlenswerten Nationalmuseum „Te Papa“ erfahren wir, von der Plattentektonik bis zum Kopulationsverhalten der Kakapos (größter Papagei, flugunfähig) alles über Neuseeland.

Wellington ist auch der Absprunghafen zur Südinsel. Eine dreieinhalbstündige Fährfahrt bringt uns nach Picton auf der anderen Seite. Vom Vordeck aus genießen wir den Panoramablick auf den Marlborough Sound und die Delfine, die uns begleiten.

 

verantwortlich für die Web- Präsentation: A. Vogels

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Elkes und Werners Paradiesinsel

Minerva ankert mitten im Pazifik

Besuch aus Neuseeland im Tiefflug

Flaute

Sareis Unterwasserschiff wird untersucht

Unser neues Zuhause

Leuchtturm am Cape Reinga

Sandfloh Sascha am Ninety Mile Beach

Sandläufer Amrei auf der Kippe

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Nick und Sascha beim Tall Ships Race

Rahsegler beim Tall Ships Race

Lauftraining

Amrei mit Blaupinguinbaby

Elke mit Blaupinguinbaby

Kiwi

Kauririese

Tane Mahuta der Mauribaum

Rotorua es dampft und blubbert

Geysir

Mordor Wanderung im Nebelland