|
Picton, Neuseeland, den 26.01.07
Der Wind zaust uns durch die Haare, unter uns explodieren die Wellen wo der Pazifik auf die Tasmansee trifft. Wir stehen unter dem Leuchtturm am Cape Reinga, dem nördlichsten Punkt Neuseelands. Vom Land
aus, ohne Segelboot, können wir den Anblick der wilden Küste richtig genießen.
Doch lange können wir nicht bleiben, tausende von hungrigen Mücken lassen uns die Flucht gen Süden ergreifen, wo wir Saschas Mutter Elke vom Flughafen abholen.
Unseren maritimen Abschied wollen wir auf dem „Tall Ships Race“ in der Bay of Island feiern. Die Sonne lacht vom Himmel, als sich weit über 100 Boote auf den Start vorbereiten. Auf den Groß-, Rah- und
Gaffelseglern, viele mehr als 100 Jahre alt, herrscht geschäftiges Treiben. Ankerketten rasseln, Segel werden gesetzt und Wasserbomben vorbereitet. Wir sind als Crew bei Nick Skeates auf Wylo II, einem einmastigen
Gaffelkutter, der im Klassikfeld startet. Der Wind bläst gut, als ein Kanonendonner den Start signalisiert. Wir haben Vollzeug (fünf Segel) gesetzt und rauschen nur so dahin. Die Wenden sind harte Arbeit und es
kommt zu spannenden Zweikämpfen.
Nach dem Rennen stärken wir uns beim „Hangi“ (Schwein, Muscheln und Gemüse das für 4-6 Stunden im Erdofen gegart wurde).
Wenn man schon mal im Land der Kiwis ist, möchten wir einen solchen (den Vogel) auch schon gerne zu Gesicht kriegen. Im Vogelhospital von Whangarei haben wir die einmalige Gelegenheit nicht nur einen Kiwi
zu sehen, sondern sogar zu streicheln! In ganz Neuseeland ist das die einzige Möglichkeit (Geheimtipp)!
Als Zugabe holt Robert, der Vogeldoktor, noch zwei Blaupinguinbabys. Sie haben ihre Eltern verloren und müssen nun, im Planschbecken, schwimmen lernen. Sobald sie selbständig sind, werden sie zurück ins
Meer entlassen.
„Wow, gigantisch, einfach riesig“, uns fehlen die Worte als wir ehrfurchtsvoll vor dem größten Kauribaum der Erde stehen. Neben dem ca. 2000 Jahre alten „Tane Mahuta“, mit seinem Stammumfang von 14m und
einer Höhe von 51,5m, kommen wir uns wie Ameisen vor. Über 30 Pflanzenarten leben in der Krone der „Mutter allen Lebens“ (Maoriglaube).
Schwefelgeruch liegt über der Stadt Rotorua, über all dampft und blubbert es aus dem Boden (sogar aus den Gullideckeln). Wir befinden uns etwa in der Mitte der Nordinsel, dem vulkanischen Zentrum
Neuseelands. „Mordor“ hieß diese Gegend in dem Film „Herr der Ringe“. Eine achtstündige Wanderung soll uns über die Vulkangipfel bringen. Doch sehen können wir von der atemberaubenden Landschaft leider nichts, als
wir um 7 Uhr den 800m hohen Anstieg beginnen. Die Gipfel sind in dichte Wolken gehüllt und es weht ein eiskalter Wind. Bei Sichtweiten unter 20m fühlen wir uns wie im Niemandsland. Auf den schönen Fotos im
Informationszentrum schauen wir uns nachher an, was wir alles nicht gesehen haben. Den Seglerbeinen hat es auf jedem Fall nicht geschadet.
Letzte Station auf der Nordinsel ist die Hauptstadt Wellington. In dem wirklich empfehlenswerten Nationalmuseum „Te Papa“ erfahren wir, von der Plattentektonik bis zum Kopulationsverhalten der Kakapos
(größter Papagei, flugunfähig) alles über Neuseeland.
Wellington ist auch der Absprunghafen zur Südinsel. Eine dreieinhalbstündige Fährfahrt bringt uns nach Picton auf der anderen Seite. Vom Vordeck aus genießen wir den Panoramablick auf den Marlborough Sound
und die Delfine, die uns begleiten.
|