Olhao, Portugal

A B S C H N I T T E

Olhao (Portugal) 19.08.2004

Am Mittwoch, dem 21.07, sind wir sehr früh aufgestanden, um durch die Strasse von Gibraltar in den Atlantik zu segeln. An der Atlantikseite ist die Strasse etwa 300m, am Mittelmeereingang über 1000m tief. Eine kräftige Strömung fließt an der Oberfläche ins Mittelmeer, um das durch Verdunstung verloren gegangene Wasser wieder aufzufüllen. Am Rand läuft die Strömung abwechselnd ost- und westwärts. Wir wollten uns deshalb möglichst nah an der spanischen Küste halten. Am Anfang wehte noch eine leichte Brise aus Ost. Bis Tarifa, der engsten Stelle, nahm der Wind jedoch stark zu. Hervorgerufen durch die unterschiedlichen Strömungen, schien das Wasser um uns herum zu brodeln und zu kochen. Mit acht Knoten rauschten wir in eine Nebelwand und um uns herum verschwand alles im dichten Weiß. Zwei Seemeilen nach dem Nadelöhr beruhigten sich die Elemente wieder und wir konnten entspannt unserem Ziel entgegensegeln. „Schau mal Amrei, was für ein großer Schmetterling!“ Der Schmetterling entpuppte sich als Fledermaus, die es sich, nach mehrmaligen Landeversuchen, auf unserer Windfahnensteuerung bequem machte. Kopfüber hing sie da in der prallen Sonne und wir machten uns langsam Sorgen, ob sie überhaupt noch lebte. Als wir in der Abenddämmerung unseren Ankerplatz erreichten, wurde unser Gast plötzlich wieder munter. Er streckte und reckte sich, putzte sein Fell und flog in die Nacht hinaus.
Nach vielen Wochen vor Anker, segelten wir in die Marina von Cadiz. Da es angeblich keinen Platz für Boote von 8 – 10m gab, sollten wir für 11 – 13m zahlen. Das hat uns sehr geärgert, zumal unser Liegeplatz für Boote von mehr als 9m nicht geeignet war!
Cadiz hat uns dafür reichlich entschädigt. Die Musik von Pauken und Trompeten begleitete unseren ersten Ausflug in die Stadt. Jungendliche übten auf der Strandpromenade schwere andalusische Melodien ein. In den Strassen, die so schmal sind das keine Autos fahren können, beginnt das Leben erst nach Einbruch der Dunkelheit. Die Cafes füllen sich, Kinder spielen auf den Plätzen und die Erwachsenen tauschen Neuigkeiten bis weit nach Mitternacht aus. Dies ist auch die bevorzugte Zeit für Schaben (Kakerlaken). Zu tausenden krabbeln sie aus den Gullydeckeln und bei jedem Schritt knirscht es verräterisch unter den Schuhen. Einen dieser munteren Gesellen entdeckte Amrei im Cockpit von SAREI! Zum Glück blieb es bei diesem Einzelfall.
Das Wetter auf den nächsten Etappen hätte besser ins Mittelmeer gepasst. Plötzlicher Wechsel der Windrichtung und –stärke, meistens aber ein leichter Gegenwind, strengten uns sehr an.
Mit Rückenwind und mitlaufender Tide segelten wir den Rio Guadiana hinauf. Entspannt ließen wir die hügelige Landschaft an uns vorbeigleiten, nur beobachtet von den Störchen, die am Ufer nach Nahrung suchten. Als die Tide schließlich kippte, ließen wir den Anker fallen und genossen die ruhige Nacht unter einem wunderschönen Sternenhimmel. Am nächsten Morgen segelten wir auf dem Grenzfluss zwischen Spanien und Portugal weiter bis zu der kleinen Ortschaft Sanlucar. Schon von weitem sahen wir den Katamaran „Manua Siai“, den wir aus unserem Buch „Untergehen werden wir nicht“ (Bettina Haskamp und Gerhard Ebel) kannten. In dem Ort trafen wir dann auch noch Gerhard und verbrachten einen schönen Abend zusammen.
In Sanlucar nahmen wir auch ein neues Crewmitglied an Bord: Jed! Jed ist eine Kultur und seine Aufgabe ist es uns alle zwei Tage mit frischem Joghurt zu versorgen. Bekommen haben wir ihn von Orit und Simon die mit ihrem Katamaran Taulua auf dem Weg ins Mittelmeer sind. Zwei Tage segelten wir zusammen den Fluss wieder runter.
Unser nächstes Ziel war die Lagunenlandschaft von Faro und Olhao. Dieses Gebiet erinnert ein wenig an die deutsche Wattensee und bei Ebbe graben hunderte Portugiesen im Mud nach Muscheln. In Olhao gibt es eine Marina, die noch nicht offiziell eröffnet und somit kostenlos ist. Wasser gibt es an einem kleinen Trinkbrunnen in der Nähe der Marina. Mit einem selbst gebastelten Schlauchadapter ist es möglich das Wasser in die Kanister umzuleiten.
Hier hat sich eine nette Gruppe von Fahrtenseglern gebildet und wir tauschen Bücher, Seekarten und wertvolle Informationen aus. Jetzt stecken wir mitten in den Vorbereitungen für die erste große Atlantiketappe nach Madeira.

verantwortlich für die Web- Präsentation: A. Vogels

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Fledermaus auf Sarei
Rio Guadiana
Sarei im Rio Guadiana
Besuch an Bord
Sascha beim Wassertanken
Segeln auf dem Guadiana