Ostsee, Deutschland

A B S C H N I T T E

08.09.03

Das war dann mal wieder nichts mit „Montag losfahren“! Die Mechaniker haben den wohl endgültigen Tod des wahrscheinlich noch einzig existierenden Tecnomotori festgestellt. Jetzt musste ein neuer Motor her. Also schnell die Rucksäcke gepackt und per „Bootsstopp“ und Zug nach Monschau zu Michael und Brigitte. Anzeige für Anzeige wurde die neuste Ausgabe der Bootsbörse studiert. Einen ganzen Tag lang telefonierte Michael sich das Ohr wund und zum guten Schluss blieben drei Motoren übrig. Die erste Fahrt ging nach Meckenheim: „Das ist normal das der Motor sich nicht drehen lässt!“. Ah so, also ohne Motor zurück nach Monschau. Zweite Fahrt zum Biggesee ins Sauerland: „Der Motor lief noch als ich ihn ausgebaut habe!“ Beim Probelauf (siehe Foto) tat er es aber leider nicht mehr. Ah so, also ohne Motor zurück nach Monschau. Da wir schon reichlich Sehnsucht nach dem Meer hatten, führte die dritte Fahrt nach Fehmarn an der Ostsee. Hier stand ein kleiner roter Bukh Einzylindermotor mit 10 PS. Der wurde in den Kofferraum gepackt und nach einem kleinen Imbiss im Fischereihafen nach Monschau gefahren. 1300 km an einem Tag, das war ganz schön anstrengend (wir sind um 4 Uhr nachts aufgestanden). Auf so einer Weltreise kommt man doch ganz schön rum!
In den nächsten zwei Tagen wurde der Tecnomotori in seine Bestandteile zerlegt und herausoperiert. Um dem kleinen Bukh den Aufenthalt an Bord so angenehm wie möglich zu gestalten, wurde geflext, geschweißt, geschraubt und geflucht was das Zeug hält. Michael nahm sich einen extra Tag frei um uns zu helfen. Vielen, vielen Dank Michael. Am Abend des zweiten Tages lief der Motor und Michael verabschiedete sich mit den Worten: „So, jetzt möchte ich von Euch beiden aber nur noch Postkarten mit Grüßen bekommen!“
Am 03.09 sollte es endlich weitergehen, auf den Tag genau einen Monat nach unserer Abfahrt. Doch nach 100 m zeigten laute schlagende und mahlende Geräusche die Unzufriedenheit des Bukh an. Schnell an die Mauer, Motor wieder raus und mit dem Kardangelenk auf dem Fahrrad zum Schlosser. Nach drei Stunden konnten wir es, mit einer neuen Nut (zum Zentrieren) versehen, abholen. Doch leider war sie ein Zehntelmillimeter zu klein. Der Schlosser hatte schon Feierabend und so mussten zwei frustrierte Segler mit 180er Schleifpapier zwei Stunden härtesten Stahl (er kostete schon Michael immerhin 3 Bohrer) schleifen. Ruck zuck war der Motor wieder eingebaut, man hat ja schließlich schon Routine.
An den Geräuschen änderte sich nicht viel. Zurück zum Yachtclub Hutois. Nach konzentriertem Nachdenken wurde der Schaltzug neu eingestellt. Juhu, das war´s!
Die ersten Stunden Fahrt verbrachte Sascha auf den Bauch liegend den Motor beobachtend, Amrei konzentriert am Ruder. Mittlerweile sind wir in Charleville Mezieres etwa 80 km weit in Frankreich. Leider weicht die Anspannung während der Fahrt noch nicht und wir hören auf jedes Klappern, Schaben und Klopfen des Motors, so dass wir die schöne Landschaft der Ardennen nicht richtig genießen können. Die Unbeschwertheit der ersten Tage ist weg. Vielleicht kommt sie mit den gefahrenen Kilometern wieder (noch 691 km Luftlinie bis zum Mittelmeer).

verantwortlich für die Web- Präsentation: A. Vogels

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