Panama

A B S C H N I T T E

Colon, Panama, den 27.03.2006

Schon seit Tagen bringt der Wetterbericht Sturmwarnung und vier bis fünf Meter Welle für die kolumbianische Küste. Das wollen wir uns nicht antun! Hier, in Spaanse Water, Curacao, umgeben von Hügeln, liegen wir geschützt wie auf einem Binnensee. Morgens im Bus zum Supermarkt und abends bei der Happy Hour in „Sarifundis Bar“ gibt es unter den Seglern nur ein Thema: das Wetter. Ein Neuseeländer verkündet lauthals: „Die Vorhersage ist gut. Morgen Sturmwarnung, übermorgen Sturmwarnung, in drei Tagen noch 25 Knoten Wind. Ich fahre morgen, bis ich in diesem Gebiet bin, ist es gut!

Statt in die stürmische See zu stechen, stürzen wir uns in die überfüllten Straßen von Willemstad, um den Karnevalsumzug zu sehen. Schier endlos tanzen die verschiedenen Gruppen in farbenprächtigen Kostümen an uns vorbei. Sascha, als Kölner, freut sich besonders, dass man hier auch „Alaaf“ ruft.

Neben uns ankert ein noch kleineres Boot, als unseres. Unsere Neugier ist geweckt. Wir lernen Mary aus Amerika kennen und staunen nicht schlecht, als sie uns erzählt, dass sie mit dem nur 6,60 m langen Boot und ihrer Katze, die Welt umsegelt hat. Zumal sie die 60 schon überschritten haben dürfte. Helmuth (73 Jahre) fällt ebenfalls „aus dem üblichen Rahmen“. Die dicke Hornbrille mit Klebeband geklebt, die Schuhe mehrfach genäht, kauft er jeden Montag einen 35kg-Sack Hundefutter. Auf seinem Boot, das nur ein wenig größer ist als unseres, lebt er zusammen mit zehn Hunden, die er in diversen Häfen aufgelesen hat. Als er nachts vor der venezolanischen Küste überfallen wurde, konnten die Hunde die Eindringlinge allerdings auch nicht aufhalten.

Nach zwei Wochen Warten zeichnet sich für uns ein Wetterfenster ab. Wir setzen die Segel und nehmen Kurs auf die San Blas Inseln. Wieder einmal gleicht Sarei mehr einer Rennjacht als einem Fahrtenschiff. Mit 184 SM in 24h stellen wir einen neuen Rekord auf (und das, mit nur zweifach gerefftem Groß, ohne Fock)! So erreichen wir nach 5 Tagen unser Ziel.

In Kuna Yala, so nennen die Kunas ihr autonom regiertes Gebiet, erwarten uns 365 Trauminseln mit Sandstrand und Kokospalmen. Bei den vielen Möglichkeiten fällt es uns nicht schwer, geeignete Ankerplätze zu finden. Kaum hat der Anker gefasst, kommen auch schon die ersten Kunas in ihren Einbäumen längsseits. Doch wir sind zu müde und verschieben alle Handelsaktivitäten auf später. Nach dem wir ausgeschlafen haben, springen wir in das klare Wasser zum Schnorcheln. Wie in einem großen Aquarium können wir die vielen bunten Rifffische beobachten. Der Boden ist bedeckt mit farbenprächtigen Seesternen und ab und zu schwebt elegant ein Rochen an uns vorbei. In einem Meter Tiefe entdecken wir einen ca. 1,80m langen, schlafenden Hai. Er lässt sich in seiner Mittagsruhe von uns nicht stören.

Am Nachmittag besuchen wir das Kunadorf auf einer kleinen Insel. Wir möchten Molas kaufen. Molas sind kunstvolle Stoffapplikationen, aus denen die Frauen ihre Kleider nähen. Eine Frau bringt uns zu einer Hütte. Da die Kunas von ihrer Statur sehr klein sind, wirkt Amrei neben ihnen wie ein Riese. Die Frauen tragen Bänder um Hand- und Fußgelenke, um diese schön dünn zu halten. Ihre Nase schmückt ein dicker goldener Ring.

Auf einem Stück Rasen werden die Molas vor uns ausgebreitet. Eine ist schöner als die andere, so dass uns die Entscheidung, welche wir als Andenken mitnehmen wollen, sehr schwer fällt. Der „Sahila“, der Dorfvorsteher, erklärt uns die einzelnen Symbole. Anschließend setzen wir uns in den Schatten der Hütte und erfahren mehr aus seinem Leben:

Die Kunas, sie nennen sich selber Tule, wohnen in Bambushütten, die mit Palmblättern gedeckt sind. Mit ihren Einbäumen paddeln oder segeln sie zwischen den Inseln, suchen Kokosnüsse und fangen Fische, Krabben und Langusten, um sie zu verkaufen.

Wir segeln noch zu anderen „blauen Lagunen“ mit so schönen Namen wie Coco Banderas, Banedup und Chichime.

Nach zwei Wochen verlassen wir das Paradies, um uns und Sarei in Colon auf die Panamakanalpassage vorzubereiten.

Colon, 17.04.06

„Oh, wie schön ist Panama…“ aber leider nicht Colon. Während der Fahrt mit dem Taxi zu den diversen Büros zum Einklarieren, bekommen wir einen ersten Eindruck. Die Häuser sind heruntergekommen und baufällig, Schutt- und Müllberge türmen sich auf der Straße. Wieder einmal darf man als „Gringo“ (Weißer) nicht zu Fuß gehen.

Nach zwei Stunden ist der Papierkram erledigt und wir rudern zurück zum Ankerplatz von Sarei. Am nächsten Morgen sitzen wir gespannt im Cockpit und warten auf den Vermesser, jedes Boot muss für die Kanalpassage genau vermessen werden. Leider kommt er erst drei Tage später. Nachdem das Maßband wieder zusammen gerollt ist, müssen wir eine Menge Fragen beantworten. „Wie schnell ist ihr Boot?“ (Die einzig richtige Antwort lautet 8 Knoten) „Haben sie eine saubere Toilette an Bord?“ „Der Pilot braucht einen Platz im Schatten.“ Außerdem muss man den Pilot mit einer Mahlzeit und einer versiegelten Flasche Wasser versorgen.

Nachdem alles geklärt und der Vermesser wieder von Bord gegangen ist, können wir zur Bank gehen und für die Kanalpassage bezahlen. Am selben Abend erfahren wir per Telefon unseren Transittermin. Bis zu unserer Passage haben wir noch drei Wochen Zeit. Damit es uns nicht langweilig wird, werden ständig Partys organisiert. So feiern wir am 26. März „Wylo II“ Geburtstag. Designer, Erbauer und Eigner „Nick Skeates“ ist ein ganz besonderer Charakter. Seinen Weg findet er seit dreißig Jahren mit dem Sextant, auch sonst fehlt jegliche technische Ausrüstung einer „modernen“ Fahrtenyacht. Anstelle von Musik „aus der Konserve“ greift er zur Ukulele, Pepe, aus Tschechien, spielt dazu Gitarre und Mundharmonika.

Nick fährt eine Woche vor uns durch den Kanal, wir werden ihn als „Linehandler“ begleiten. Aufgeregt sitzen wir um 17 Uhr in seinem Cockpit und warten auf den Pilot. Erst als es schon  dunkel ist kommt er an Bord und wir machen uns auf den Weg zur ersten Schleuse. Kurz vorher bilden wir mit zwei anderen Segelbooten ein Päckchen. So zusammen gebunden fahren wir in die erste Kammer der Gatunschleuse. Die riesigen Schleusenkammern sind 305m lang, 33,5m breit und 26m tief. Das sind die Maße, nach denen die großen Frachtschiffe (Panamax) gebaut werden.

Von den hohen Betonwänden werden uns dünne Leinen zugeworfen, jetzt kommen wir zum Einsatz. Schnell knoten wir die vorbereiteten, dicken Leinen daran fest und schon werden sie wieder in die Höhe gezogen. Während das Wasser rasant die Schleuse flutet, ist es unsere Aufgabe, die Leinen immer gespannt zu halten, um ein Querschlagen der Boote zu vermeiden. Nach drei Schleusen befinden wir uns 26m über dem Meeresspiegel und fahren in den Gatunsee. Für die Nacht machen wir an einer Boje fest. Der Pilot wird abgeholt und wieder einmal greift Nick zur Ukulele und spielt polynesische Musik, um uns auf die Südsee einzustimmen.

Am nächsten Morgen kommt ein anderer Pilot an Bord und Nick startet seinen 55 Jahre alten Motor, den er aus einem Auto ausgebaut hat. Bis zu den Schleusen der Pazifikseite sind es 28 Seemeilen, genug Zeit die Landschaft zu genießen. Der Urwald reicht bis an die Ufer des Süßwassersees, an denen sich Krokodile sonnen. Hoch über ihnen in den Bäumen turnen die Affen.

Bei einer leichten Brise setzten wir die Segel, um den Motor zu entlasten, und erreichen so am frühen Nachmittag die Pedro Miguel Schleuse. Einige hundert Meter später kommt die Mirafloresschleuse in Sicht. Hier befindet sich eine Webcam und natürlich müssen alle winken und in die Kamera lächeln.

Der aufregendste Moment ist aber gekommen, wenn sich die Tore öffnen und der Blick auf den Pazifik frei wird. Unter lautem Jubelgeschrei verlassen wir die Schleuse. „Welcome to the Pacific“, wünscht uns der Pilot. Doch wir müssen leider am selben Abend mit dem Taxi zurück auf die Atlanikseite zu Sarei fahren.

Lange müssen auch wir nicht mehr warten, am 19.04 ist unser Termin. Wer also sein Glück versuchen will uns auf der Webcam zu sehen, hat seine Chance am 20.04 zwischen 19 und 23 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit.

verantwortlich für die Web- Präsentation: A. Vogels

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Coco Bandero Cays

Strand auf Green Island

Welche Mola sollen wir nur kaufen?

Einbaum und Kunahütte

Kann man den essen

Schwimmender
Gemüsemarkt

Wie auf der Saunatapete, nur echt

Wo geht es nach Panama

Nach Panama immer nur nach links!

Sarei segelt nach Panama

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Amrei und Sascha

Nick schmückt Wylo II zum Geburtstag

Nick und Pepe bringen Stimmung in die Bude

Begegnung im Gatunsee

Hoffentlich kann der noch stoppen

Lokomotiven halten die Seile für die großen Pötte

Die Tore zum Pazifik

Der Pilot wird abgeholt