Salvador (Brasilien)

A B S C H N I T T E

Salvador do Bahia de Todos os Santos (Brasilien), 31.01.05

Der Atlantik in drei Kapiteln

Schneller Start – der Nordatlantik

Die Segel sind gesetzt, Sascha holt den Anker hoch, wir nehmen die Schoten dicht und starten zu unserem großen Törn. Diesmal ganz still, ohne tutende Fanfaren, verlassen wir unseren Ankerplatz auf Santiago (Kapverden). Zwei Abende zuvor haben wir noch mit Freunden zusammen Silvester gefeiert. „Nach Fernando de Noronha wollt ihr? Oh, das ist aber teuer! Eine bekannte Segelyacht musste dort 300 Dollar bezahlen.“ Wir werden etwas blasser und ändern kurz entschlossen unsere Pläne. Das neue Ziel heißt Salvador do Bahia, „nur“ 800 Seemeilen weiter weg.
Schon nach zwei Seemeilen verschwindet die Insel im Dunst des Saharastaubes. Für die nächsten drei Wochen werden wir nur Wasser und Himmel sehen!
Der Nordost-Passat mit Stärke 6 bringt uns schnell voran, schon nach 24 Stunden können wir unser Rekordetmal von 150 Seemeilen verbuchen. Die nächsten Tage geht es so weiter.
Täglich freuen wir uns auf die Sendung von INTERMAR. Das ist eine Gruppe von Funkamateuren, die Segler auf der ganzen Welt begleiten und mit Wetterinformationen versorgen. Auch wir bekommen unseren persönlichen Wetterbericht und können zudem verfolgen, wo sich unsere Freunde befinden. Auf der Homepage von INTERMAR (www.intermar-ev.de) kann man auf einer Weltkarte unsere aktuelle Position sehen. Wir sind dort unter Saschas Rufzeichen DL4FCA zu finden.

Die Entdeckung der Langsamkeit – die Doldrums und der Äquator

Seit gestern Abend hat der Wind merklich abgeflaut. Der Himmel und die See sind bleigrau. Wir haben die Doldrums erreicht.
Die Doldrums bilden die Zone, in der die Passatwinde der Nordhalbkugel und der Südhalbkugel aufeinander treffen. Sie sind gekennzeichnet durch Windstille oder unstete leichte Winde. Das Wort Doldrum ist eine Verbindung von „dolt“ und „tantrum“, Tölpel und Wüterich. Zu Zeiten der großen Rahsegler starben manche Seeleute eines schrecklichen Todes, wenn sie in diesem Niemandsland am Äquator festsaßen.
Auch wir fühlen uns unbehaglich in diesem grauen Einerlei. Nachts blitzt und donnert es unaufhörlich und immer wieder prasselt ein dicker Regenschauer auf uns hernieder. Bei Temperaturen von 28°C und 85% Luftfeuchte sind wir schweißgebadet und das Leben an Bord wird anstrengend.
Endlich können wir die Fische beobachten, die uns auf unserer Fahrt begleiten. Am Heck des Bootes schwimmt eine Gruppe Goldmakrelen. Sie präsentieren sich in den schönsten Farben. Amrei läuft das Wasser im Mund zusammen: „Schnell Sascha, hol die Angel!“ Sascha zögert noch, sucht dann aber den neuen rosa Gummiköder. Eine Minute später hängt ein prächtiger Brocken am Hacken. Es ist gar nicht so einfach, dieses Muskelpaket zu bändigen. Ein paar Tropfen Alkohol hinter die Kiemen bringen ein schnelles Ende. Bald schon gleicht das Cockpit einem Schlachthof, doch wir werden mit vier riesigen, frischen Filets belohnt. Trotzdem ist unsere „Angelleidenschaft“ für´s erste gestillt!
Mittlerweile haben wir uns an das langsame Tempo gewöhnt und freuen uns, wenn wir mit einem Knoten in die richtige Richtung treiben (und nicht rückwärts). Unser Tagesetmal beträgt 22 Seemeilen!
Schon lange bevor es soweit ist, sind wir gespannt auf den Äquator. Am 14.01.05 um 0249 UTC haben wir es geschafft, wir überqueren den Äquator, Breitengrad 0.
Als die Sonne aufgeht, drehen wir bei, um das Ereignis mit einem Glas Sekt zu feiern. Amrei spendiert Neptun einen Schluck und entdeckt dabei eine Flaschenpost, die wir eingefangen haben. Ein Brief von Neptun höchstpersönlich. Er ist ein bisschen verärgert, dass er so wenige Opfergaben bekommen hat. Zur Versöhnung schlägt er vor, dass der Kapitän Amrei den Navigator Sascha heiraten könnte! Der Kapitän sagt zu und gleich gibt es noch einen Schluck Sekt.
Von Zeit zu Zeit sichten wir andere Schiffe. Meistens ist der Abstand groß genug. Nur einmal müssen wir den Kurs ändern, da uns der Frachter „Athos“ bedenklich nahe kommt. Tausende Kilometer Wasser und dieses Schiff kreuzt genau unsere Kurslinie! Deshalb gehen wir ständig Wache!
Wir sichten auch schwimmende Ölfässer und Container, die zwischen den Wellen nur schwer zu entdecken sind.

Segeln mit dem großen Löffel – der Südatlantik

Nach vier Tagen stellt sich ein leichter Südostwind ein. Er hält durch und es folgen angenehme Segeltage. Das Meer ist wieder tiefblau und nachts zeigt uns das „Kreuz des Südens“ den Weg. Wir lesen viel und genießen es, Zeit zum Nachdenken und Träumen zu haben.
Ein Schwarm Seevögel hat herausgefunden, dass SAREI eine bequeme Rast- und Reisemöglichkeit bietet. Die „ausschlagende“ Windfahne erschwert den Landeanflug jedoch erheblich. Schließlich haben sich drei der Vögel einen Platz erkämpft, alle anderen werden lautstark verscheucht. Sie meinen wohl, dass unser Boot zu klein ist für weitere Passagiere. Die zutraulichen, krähenähnlichen Vögel putzen erst mal ihr schwarzes Gefieder und suchen sich einen bequemen Halt mit ihren Schwimmflossen. Bei Sonnenaufgang werden sie munter und gehen auf die Jagd, um abends pünktlich ihren angestammten Platz wieder einzunehmen. Uns bleibt es überlassen, morgens sauber zu machen.
„Land in Sicht!“, am Horizont tauchen die ersten grünen Hügel von Brasilien auf. Einige Stunden Später segeln wir an der imposanten Skyline von Salvador vorbei in die Bahia de Todos os Santos. Der Lärm der Stadt ist für unsere Ohren noch ganz ungewohnt.
Nach 23 Tagen und 2028 Seemeilen fällt der Anker im überfüllten Hafenbecken.
Schon am nächsten Morgen startet unser neues Abenteuer: Einklarieren in Brasilien. Von einer benachbarten schwedischen Yacht bekommen wir letzte Instruktionen. Nicht weniger als vier Behörden müssen in der richtigen Reihenfolge aufgesucht werden. Überall füllen wir portugiesische Formulare aus, auf denen z.B. gefragt wird: „Wie viele Tote hatten sie an Bord? Wann war die letzte Entrattung? …
Nach einem Tag haben wir endlich alle erforderlichen Papiere und sind jetzt offiziell in Brasilien.
Die Vorbereitungen für das größte Fest im Jahr laufen auf Hochtouren und auch wir freuen uns schon auf den Karneval in Brasilien!

 

Für alle, die zuhause eine Atlantiküberquerung nachempfinden möchten:

Anleitung für den „Atlantiküberquerungssimulator – AÜS“

Suche dir einen kleinen Raum: Abstellkammer, VW Bus, etc.

  • Kaufe Lebensmittel und Wasser für ca. einen Monat ein.
  • Stelle den Raum auf ca. 20° Schräglage.
  • Die Raumtemperatur sollte 28° - 30°C betragen, bei einer Luftfeuchte von 80 – 90%.
  • Nimm eine Blumenspritze und verteile überall Salzwasser.
  • Stelle nachts den Wecker alle drei Stunden und setzte dich für drei Stunden mit einem Discman auf einen nassen Stuhl und schaue aus dem Fenster nach Frachtern (nicht Einschlafen!).
  • Wenn es nicht regnet kannst du das Fenster zum Lüften öffnen.
  • Wasche dich und putze die Zähne mit Salzwasser.
  • Zur Belohnung darfst du alle 24 Stunden ein Gummibärchen essen.
  • Verlasse diesen Raum nicht für 23 Tage!

Herzlichen Glückwunsch, du bist auf der anderen Seite angekommen!

verantwortlich für die Web- Präsentation: A. Vogels

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Delfine
Am Äquator
Flaschenpost von Neptun
Heiratsantrag
Frachter Athos
Lektüre am Äquator
Tramper auf SAREI
Skyline von Salvador
Brasilianische Gastlandflagge
Takelarbeit