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Tahiti, Maeva Beach, den 15.08.06
Wild bäumen sich die Pferde auf, im Galopp preschen gefährlich aussehende Reiter an uns vorbei. Vor der Ehrentribüne drehen sie eine Piourette. Aufgepeitscht von den klängen einer Trommel folgen
verschiedene Gruppen aus Nuku Hiva und bilden die Parade zum 14. Juli. Die Feierlichkeiten sind nicht nur auf einen Tag beschränkt sondern ziehen sich den ganzen Monat hin. Nach zwei Wochen Tanzveranstaltungen,
Schönheitswettbewerb und Kanurennen packt uns wieder die „Wanderlust“.
Wir setzen Segel Richtung den Tuamotus oder das „Gefährliche Archipel“. Das Gebiet der Tuamotus umfasst ca. hundert Koralleninseln, die nur etwa einem Meter über dem Meeresspiegel ragen und deshalb schwer
zu entdecken sind. Einst sind Korallen um Vulkaninseln gewachsen, die Vulkane sind durch Erosion längst verschwunden, zurückgeblieben sind Ringe aus Korallen, die eine Lagune umschließen. Dort wo sich Süßwasser ins
Meer ergossen hat, konnten keine Korallen wachsen und es ist eine „Einfahrt“ entstanden.
Im GPS-Zeitalter haben die Inseln ihren Schrecken verloren und so befinden wir uns nach fünf Segeltagen vor dem Pass von Ahe.
„Wir stehen auf der Stelle!“. Gegen Wind und Strömung gaben wir keine Chance zu unserem Ankerplatz in die Lagune zu gelangen. Das Ziel schon vor Augen müssen wir leider noch mal abdrehen. Zwei Stunden
später haben wir mehr Glück, der Strom ist gekentert und die Flut schiebt uns durch die schmale Öffnung. „Pass auf, da vorne“, genau vor unserem Bug türmen sich plötzlich steile, hohe Wellen auf. Unser Pulsschlag
erhöht sich, Sarei lässt sich nur schwer steuern und wir atmen erleichtert auf, als wir endlich wieder in ruhigerem Wasser sind. Zwischen Korallenköpfen und Perlfarmen suchen wir uns den Weg bis vor das Dorf.
Mit dem Dingi landen wir am Pier. „Wie heißt du?“, „Woher kommst du?“, „Sprichst du Französisch?“ Schnell sind wir von einer Schar neugieriger Kinder umringt und müssen viele Fragen beantworten.
Wir stehen auf der „Hauptstraße“ und sehen an der anderen Seite schon wieder das Meer. Nach zehn Minuten gemütlichem Spaziergang haben wie die komplette Insel mit sämtlichen Bewohnern gesehen. Überall
werden wir freundlich gegrüßt oder zu einem kleinen Schwatz heran gewunken. „Vorsicht Amrei!“, beinahe wären wir vors Auto gelaufen, damit haben wir bei den Distanzen (ca. 500m Straße) nicht gerechnet. Naja, bei
einer Panne hat man es wenigstens nicht weit bis nach Hause.
Nach drei Tagen Ahe, wir kennen schon jede Kokosnusskrappe mit Vornamen, wird eine große Disco veranstaltet. „Kommt ruhig rein, aber Alkohol gibt es hier nicht“, versichert uns der junge „Security-Mann“.
Wir haben schon beim Einatmen seiner Fahne die zulässige 0,8 Promille-Grenze erreicht.
Das nächste große Event ist die Ankunft des Versorgungsfrachters. Alle Dorfbewohner kommen zusammen und helfen beim Abladen des Schiffes. Tiefgekühltes Obst und Gemüse, Fässer mit Diesel und diverse
Baumaterialien, alle diese langersehnten Güter werden schnell verteilt. Die Kisten sind noch nicht ausgepackt, da hat sich vor dem Dorfladen schon eine lange Schlange gebildet.
„Startschuss ist um 9:30 Uhr.“ Gemeinsam mit Nick auf „Wylo II“ wollen wir nach Tahiti um die Wette segeln. Zu unserem Verdruss hat sich die Ankerkette um einen Korallenstock gewickelt. Die Zeit, die wir
zum Freisegeln benötigen, nutzt Nick um einen guten Vorsprung heraus zu segeln. Dank seiner enormen Segelfläche (Fock, Stagsegel, Gaffelgroß- und Gaffeltoppsegel) wird die Entfernung zwischen uns schnell größer. Als
die Sonne untergeht sehen wir Nick am Horizont verschwinden.
„Der Luftdruck ist schon wieder gefallen!“ Nach zwei Tagen angenehmen Segeln schauen wir gespannt aufs Barometer. Das verheißt nichts Gutes. Pünktlich zum Abendessen geht der Tanz los. Es stürmt und gießt
wie aus Eimern. Wir haben die Segel geborgen und uns in die Kajüte verkrochen. „Nick liegt jetzt sicher schon in Tahiti vor Anker“, denken wir. Weitere 100 mühselig erarbeitet Seemeilen später fällt der Anker in
Papeete, Tahiti. Doch von Nick keine Spur.
Erst am nächsten Nachmittag sehen wir das rote Gaffelsegel sich nähern. „War das eine Show“, ruft er zu uns herüber. „36 Stunden musste ich beidrehen, herzlichen Glückwunsch zu eurem Sieg.“ Und so haben
wir unser erstes Ozeanrennen gewonnen!
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