Tobago

A B S C H N I T T E

Store Bay, Tobago, 19.09.05

Das sind wir nicht mehr gewöhnt. Nach vielen ruhigen Flusstagen, werden wir jetzt vom Schwell durchgeschaukelt. Wir ankern vor den berühmten Ile de Salut, den Teufelsinseln vor der Küste Französisch Guyanas. Mit dem Dingi rudern wir an Land, um die größte Insel, die Ile Royal, zu erkunden. Bei tropisch heißen Temperaturen erreichen wir, mit enormem Schweißverlust, den höchsten Punkt der Insel. Belohnt werden wir mit einem grandiosen Ausblick auf die beiden anderen Inseln des Archipels, die Ile de Diable und die Ile de Saint Joseph. Wir finden ein offenes Gebäude, es beherbergt ein kleines Museum. Auf staubbedeckten Wandtafeln informieren wir uns über die nicht gerade ruhmreiche Geschichte der Inseln. Bis 1954 wurden hier Menschen unter unwürdigen Bedingungen gefangen gehalten. Die Lebenserwartung der Sträflinge betrug nur wenige Jahre. Eine Flucht war angeblich wegen der Haie, wohl aber eher wegen der starken Strömung, unmöglich. Heute wohnen hier hauptsächlich exotische Tiere. Auf dem Rückweg sehen wir Aras, Iguanas und ein Tier, das aussieht wie eine Mischung aus einem Ferkel und einer Ratte.

In der Hoffnung auf eine ruhige Nacht, motoren wir die 200m bis zur Ile de Saint Joseph. Hier finden wir im dichten Dschungel die Überreste des Gefängnistraktes. Ein kalter Schauer läuft uns beim Anblick der Zellen über den Rücken. Dicht an dicht reihen sich die winzigen Räume in endlosen Gängen. An Stelle eines Daches gibt es nur ein Gitterrost, durch das die Wärter die Insassen kontrollieren (und schikanieren) konnten. Inzwischen wachsen überall Bäume und kräftige Wurzeln sprengen die Mauern. In einigen Jahren wird wohl nichts mehr zu sehen sein.

Für die Fahrt nach Tobago laden wir uns das Boot noch mit Kokosnüssen voll, deren köstliches Wasser uns mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgen soll.

Die Silhouette der Inseln ist noch nicht am Horizont verschwunden, als wir mit Intermar in Deutschland funken. „Wind 10 – 15 Knoten aus Südost, für die nächste Zeit habt ihr optimale Bedingungen“, teilt uns Rolf mit. Gerade wollen wir uns verabschieden, da meint Rolf: „Moment mal, in der Karibik könnte sich ein neuer Hurrikane bilden.“ Wir überlegen, ob wir einen Zwischenstopp in Surinam machen sollen. Als wir jedoch am folgenden Tag die neuen Wetterprognosen von Intermar bekommen, entschließen wir uns zu einer anderen Taktik. Um unsere Fahrt zu verlangsamen binden wir zwei Reffs ins Groß und bergen die Genua. Zwei Tage später hat sich die Depression verzogen und wir setzten wieder alle Segel.

„Verdammt“, schnell verschwindet die Dichtung unseres brasilianischen Dampfdrucktopfes im Kielwasser. Beim Spülen, wir hängen das Geschirr außenbords, hat Sascha nicht an den Gummiring gedacht. Glücklicherweise haben wir abends die Funkrunde mit den Seglern in Brasilien. Michael und Sylvia versprechen uns ein entsprechendes Ersatzteil mit nach Tobago zu bringen.

Nach sieben Tagen taucht am Horizont unsere erste Karibikinsel auf. Die Ankunft müssen wir dieses Mal genau timen, da Zoll und Einwanderungsbehörde nur von 8 – 16 Uhr geöffnet haben und man am Wochenende eine Überstundengebühr von 50 US-Dollar bezahlen muss.

Nach dem wir die Formalitäten erledigt haben, können wir am nächsten Tag endlich unsere Freunde Heinz und Andrea wieder treffen die wir zuletzt auf den Kapverdischen Inseln gesehen haben.

Tobago, 20.10.05

„Was meinst du, ob wir außer Heinz und Andrea auf Yab Yum noch jemand in der Store Bay kennen?“ Wir staunen nicht schlecht, die Hälfte der acht Boote in der Bucht haben wir schon mal irgendwo getroffen.

In rasender Fahrt kommt ein großes Motorboot auf uns zugeschossen, an Bord sechs Tauchschüler und ein freundlich winkender Heinz, der Tauchlehrer. „Hallo, schön euch endlich wieder zusehen!“  „Sind das etwa Piraten?“, fragt eine der Taucherinnen. Sicher macht Sascha mit seinem Schlapphut und Dreitagebart den Eindruck eines solchen.

Wir haben die Insel noch gerade rechtzeitig zum „Tobago Fest“, einem „Minikarneval“, erreicht. Als erstes sichten wir einen Indianer mit prächtigem Kopfschmuck und dickem Kostüm. Ob er sich bei den Temperaturen wohl darin fühlt? Beim darauf folgenden Umzug lassen wir uns von den vielen phantasievolle, farbenfrohe Kostümen verzaubern.

Der Karneval von Trinidad und Tobago ist das Highlight des Jahres. Wir sind froh, dass wir so noch einen Eindruck davon bekommen.

Bevor wir dann weiter die Küste erkunden, nutzt Sascha die Gelegenheit bei Heinz und Andrea einen Tauchschein zu machen. Zunächst heißt es jedoch Theorie büffeln. Die Mühe wird durch Freiwassertauchgänge, an den bis zu 18 m tiefen Riffen Tobagos, belohnt. Wir begegnen dort zahlreichen bunten Rifffischen, Muränen, Meeresschildkröten, Haien und einem Stachelrochen mit zwei Metern Spannweite, der die seltsam „blubbernden“ Eindringlinge mit seinen Kulleraugen scharf ins Visier nimmt.

Morgens um vier Uhr schmeißt uns der Wecker aus der warmen Koje. Wir müssen rechtzeitig am Fährhafen sein, denn wir wollen nach Trinidad, um dringend benötigte Ersatzteile zu kaufen und eine neue Arbeitsfock in Auftrag zu geben.

Knapp drei Stunden braucht die „Highspeedkatamaranfähre“ bis nach Port of Spain, der Hauptstadt der Nachbarinsel. Gebannt schauen wir von der Heckplattform auf die brodelnden Wassermassen unter uns. Jeder der vier Jetantriebe kann ein olympisches Schwimmbecken in 6 Sekunden mit Wasser füllen. Sascha träumt schon von einem Highspeedkatamaran als nächstes Boot.

Mit etwas gemütlicherer Geschwindigkeit verlassen wir ein paar Tage später die Store Bay, um zu sehen, was der Rest der Insel sonst noch zu bieten hat. Das anstrengende Segeln an der Leeseite erinnert uns ans Mittelmeer, der Wind weht oft nur sehr lau und dann meistens von vorne. Gerade werden wir von einem heftigen Regenschauer durchweicht, als eine Schule Delfine vorbeischaut. Unser Anker fällt in der Englishman´s Bay, einer Traumbucht mit gelben Sandstrand, Palmen und Regenwald. Je weiter wir nach Norden kommen, umso grüner, bergiger und schöner wird die Insel.

Das Tobago der gefährlichste Platz ist, den wir besucht haben, zeigt folgende Begebenheit;

In einem kleinen Laden haben wir uns ein Eis gekauft und sind auf dem Rückweg zum Boot, als uns ein Tobaganer anspricht.

Tobaganer: „Do you want a coconut?“ / „Möchtest du eine Kokosnuß?“

Sascha:      „Oh yes, thank you.“ / „Oh ja, vielen Dank.“

Tobaganer: „Give me 10 TTDollars.“ / „Gib`mir 10 TTDollar.“

Sascha:      „I don´t have any money left.“ / „Ich habe kein Geld mehr.

                   Sascha gibt die Kokosnuß zurück.

Tobaganer: „Buy me something in the shop.“ / „Kauf` mir was in dem Laden.“

Sascha:      „Sorry, I don´t have any money left!“ / s.o.

Tabaganer: „Then give me your icecream!“ / „Dann gib mir dein Eis!“

Sascha:      „No, that´s mine!“ / „Nein, das ist mir!“

Tobaganer: „Give mir your icecream!!!“

    Schnell beugt er sich vor, öffnet seinen Mund und schwupps ist das halbe Eis verschwunden!

Sascha nach einer Schrecksekunde: „Thank you, man!“

Tobago, 02.12.05

„Ich hab es zuerst gesehen!“, ruft Amrei. Schon seit einiger Zeit schauen wir gebannt in den Himmel. Jetzt können wir beobachten wie die große Boing, auf dem kleinen Flughafen von Tobago, zur Landung ansetzt. Die Minuten werden lang, wir können es kaum erwarten bis Elke, Saschas Mutter, am Ausgang erscheint. Die Zollformalitäten hat sie erstaunlich schnell erledigt, das geht, wenn die einen nur Englisch und die andere nur Kölsch spricht. Nach mehr als zwei Jahren ist die Wiedersehensfreude riesengroß. Nun freuen wir uns auf drei Wochen Urlaub zusammen mit Elke.
 

In den ersten Tagen führen wir Elke in die Lieblingsbeschäftigung der Tobagonier ein. Liming on the beach (to lime = abhängen, nichts tun). Elke, ausgerüstet mit Taucherbrille und Schnorchel, ist gar nicht mehr aus dem wohltemperierten Badewasser zu kriegen.
 

„Bums“, ein lauter Knall lässt uns aufschrecken. Keine zwei Meter von uns entfernt ist eine große Eidechse aus der Palme ins Dingi gefallen. Dicht hinterher eine ca. 1,50 m lange Schlange. Die Echse nimmt die Beine in die Hand uns verschwindet im nächsten Gebüsch. Ihrer Beute beraubt tritt die Schlange den Rückzug in den Baum an. Sie macht sich lang und dünn, steif wie ein Stock und findet schließlich Halt am untersten Ast.
 

Als erstes von vielen Erlebnissen erwartet Elke ein Segeltörn, wir wollen nach Mt. Irvine, zwei Buchten weiter, zum Schnorcheln. Bei Sonnenschein und leichtem Wind verlassen wir den Ankerplatz. Doch schon bald türmen sich bedrohliche Wolkenberge auf. Gerade noch rechtzeitig bergen wir die große Genua bevor der Wind zulegt und es wie aus Eimern schüttet. Wir werden ordentlich durchgeschaukelt und Elke bezahlt ihren Tribut an Neptun. Nach zwei Stunden ist der Spuk vorbei und auf dem Rückweg genießen wir karibisches „Sunset sailing“. Nun sehen wir uns nach der Süßwasserdusche (welch ein Luxus) im Hotel und einem Cocktail am Swimmingpool.
 

In Tobago hört man an jeder Ecke Steelbandmusik. Wir hatten schon vor einiger Zeit einen der Musiker, Redman, kennen gelernt. Zusammen mit Elke sind wir jetzt bei ihm im Proberaum. Wir bekommen eine Einführung im Spiel auf den ehemaligen Ölfässern. Elke ist begeistert, am liebsten würde sie eine „Steelpan“ mitnehmen. Doch wir müssen einsehen, dass für deutsche Mehrfamilienhäuser diese „Heavy Metal Musik“ nicht geeignet ist.
 

Gemeinsam mit Redman gehen wir am Abend zur Sunday School. Es handelt sich hierbei nicht um eine Kirchenveranstaltung, sondern um eine wöchentlich stattfindende Straßenparty. Hier schwingen Touristen und Einheimische das Tanzbein, natürlich zur Musik einer…Steelband!
 

Wir wollen noch mehr von der Insel sehen und mieten ein Auto. Dank guter Beschreibung in Elkes Reiseführer finden wir, auch ohne „Tourguide“, einen der viel gerühmten Wasserfälle. Wir lauschen auf die Geräusche im tropischen Regenwald und beobachten kreischende Papageienschwärme. Unser Weg führt durch einen meterhohen Bambuswald zu einer der schönen Buchten an der wir Mittagspause machen. Den Abend lassen wir bei einer Flasche „Caribbier“ in „Bagos Beachbar“ ausklingen. Ein Fernseher ist aufgestellt, auf „verschneitem“ Bildschirm kann man das WM-Qualifikationsspiel Trinidad u. Tobago gegen Bahrein verfolgen. Die Atmosphäre ist spannungsgeladen bis nach 90 Minuten ein erlösender Aufschrei zu hören ist. „T and T goes to Germany!“ Nicht enden wollende Autokorsos ziehen durch die Straßen, geschmückt mit der National- und der Deutschen Flagge (ist nun Schwarz oder Gelb oben). Der Präsident des Landes ordnet für den nächsten Tag einen Feiertag an. Im Radio wird dazu aufgefordert, sich in Rot zu kleiden (Nationalfarbe). Auch schon ein deutsches Wort haben alle gelernt: „wunderbar“. Nächstes Jahr will ganz Tobago nach Deutschland fliegen, macht euch also auf was gefasst. Wir drücken T and T auf jeden Fall die Daumen.
 

Viel zu schnell sind die drei Wochen vergangen. Wir bringen Elke zum Flughafen und plötzlich sind wir wieder alleine ohne die nette Gesellschaft, Dusche und Cocktailabende im Hotel. Vom Ankerplatz winken wir dem Flugzeug nach, das am Horizont verschwindet.
 

Auch wir treffen Vorbereitungen zur Abreise. Nächste Woche soll es nach Venezuela gehen.

verantwortlich für die Web- Präsentation: A. Vogels

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Unser Ankerplatz bei den Teufelsinseln

Aras

Amrei mit Ausblick auf di Ile de Saint Joseph

Iguana

Zellentrakt

Gang mit vielen Zellen

Sascha in der Zelle

Gitterrost der Zellendecke

Der Baum wächst aus der Zelle

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Indianer

Phantasievolles Kostüm

Karneval in Tobago

Jetantrieb

Plymouth

Charlotteville

Pirates Bay

Ammenhai
Unterwasser Tobago

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Liming on the beach

Schlangenakrobatik

Sunset sailing

Cocktailabend im Hotel

Steelbandprobe mit Elke und Redman

Wie auf der Postkarte

Wie die Affen

Am Wasserfall

Durch den Bambuswald

Englishmans Bay

Elke und Rasterman King David

Häuser in karibischen Farben

Strandsparziergang