|
Naiafu, Vava´u, Königreich Tonga, den 27.10.06
Die Wolken scheinen türkisgrün von den Reflexionen in der Lagune von Bora Bora. Langsam gleiten wir an Korallen und Riffen vorbei. Kaum ist der Anker gefallen, erkunden wir mit Schnorchel und Flossen die
Unterwasserwelt. Umringt von einem Schwarm bunter Fische entdecken wir Muränen, Stachelrochen und Picassofische.
Abends treffen wir uns mit unseren Freunden von der „Tradewind“ und der „Pelikaan“ und grillen am Strand unter Palmen Hähnchen und Brot.
Trotz dieser paradiesischen Zustände müssen wir weiter ziehen.
Fünf Segeltage westlich wartet unser nächstes Ziel „Aitutaki“ in den Cookinseln.
„Rückwärts!“, ruft Amrei Sascha zu, doch es ist bereits zu spät. Wir sitzen in der Einfahrt von Aitutaki fest. Bald sind wir wieder frei und der Anker fällt in dem Hafenbecken von Ureia. Hier können
wirklich nur sehr kleine Boote rein fahren, weshalb die Insel nur selten angelaufen wird.
Auf einem Motorrad kommt der „Healthofficer“ angebraust, um uns zu klarieren. Wir sitzen auf einem großen Stein unter freiem Himmel und füllen die zahlreichen Formulare aus. „Wer auf diesem Marae (heiliger
Stein) getreten ist, ist nicht länger ein Fremder“, erklärt uns Iti, der Beamte. Im Dorf werden wir überall freundlich gegrüßt. Auf Anhieb fühlen wir uns sehr wohl in Aitutaki.
„Good morning, friends“, skandieren die SchülerInnen der fünften Klasse, der Secondary School auf der Insel, als wir den Klassenraum betreten. Sascha wollte mal wieder den Duft einer Schule einatmen. Hier
riecht es jedoch ganz anders als in Deutschland. Die LehrerInnen tragen Blumenkränze im Haar, Türen und Fenster stehen weit offen und auf dem Schulhof wachsen Gras und Mangobäume. Zwischen Mathe und Englisch wird
getanzt und gesungen. Davon dass die Cookislander gute Sänger sind, können wir uns auch am folgenden Sonntag in der Kirche überzeugen. Wir haben den Eindruck, dass Gottes Segen im direkten Zusammenhang mit der
Lautstärke des Gesangs steht. Zwei- oder mehrstimmig dröhnt es von den Wänden wieder. Doch das Wichtigste ist, wie uns der Pastor von der Kanzel mitteilt, die „Sunday School“ nach der Messe. Dabei handelt es sich um
eine lange Tafel, die unter Obst-, Sandwich- und Kuchenbergen zusammen zu brechen droht. So lockt man also seine Schäfchen in den Gottesdienst!
Nach eineinhalb Wochen schlüpfen wir aus dem flachen Pass in den tiefen Pazifik. Bei Sonnenschein und leichtem achterlichem Wind genießen wir das Segeln. Wir haben den Kurs Richtung Tonga abgesteckt und
freuen uns schon darauf viele Freunde wieder zu treffen. Als wir in die Vava´u-Gruppe im Königreich Tonga einlaufen, steht in unserem Logbuch Samstag der 14.10., doch in Tonga ist es, laut Kalender, schon Sonntag
der 15. Oktober. Wir haben die Datumsgrenze passiert, wären wir einen Tag schneller gewesen, hätten wir uns Freitag den 13. sparen können!
Um nicht Überstundengebühr bezahlen zu müssen, verbringen wir eine Nacht vor Anker, bevor wir am nächsten Morgen zum Einklarieren nach Neiafu fahren.
Es hält uns nicht lange in der Stadt. Nachdem wir uns auf dem Markt mit frischen Vitaminen versorgt haben, die Wäsche gewaschen ist und wir einmal ausgeschlafen haben, ziehen wir los, um die vielen schönen
Ankerplätze zu erkunden. Die Landschaft erinnert uns an die schwedische Schärenküste.
Heute wollen wir am „Ano Beach“ an einem „Tongan Feast“ teilnehmen. „Das sieht ja aus wie Abwaschwasser und schmeckt auch so!“ Zur Begrüßung bekommen wir Kawa in einer Kokosnussschale, das traditionelle,
rauschhaltige Getränk.
Mit ca. 20 anderen Seglern sitzen wir auf Strohmatten und genießen auf tonganische Art zubereitete Speisen. Es gibt keine Schüsseln, Pfannen, Teller oder Besteck. Das Essen, über Stunden im Erdofen gegart,
ist in Bananenblättern eingewickelt oder wird in Kokosnuss- und Papayaschalen serviert. Gegessen wird mit den Fingern. Natürlich geht es auch hier nicht ohne Tanz und Gesang. Dieses Mal bestaunen wir einen
„Wardance“ (Kriegstanz).
Als wir in unser Dingi steigen sinkt es fast, so haben wir uns die Bäuche voll geschlagen.
Nur einen Tag später geht das Feiern weiter. Sascha hat Geburtstag und veranstaltet einen „Potluck“ am Strand (jeder bringt etwas zu Essen mit).
Von der bunten Gemeinschaft hört Sascha Geburtstagsständchen auf Deutsch, Englisch, Schwedisch und Chinesisch.
Die Cyclonsaison steht vor der Tür und für uns wird es langsam Zeit auf unsere letzte, große Etappe Richtung Neuseeland zu gehen.
|