Toul, Frankreich

A B S C H N I T T E

18. Sep. 2003 Toul

Die weitere Fahrt über Frankreichs Kanäle führte uns nach Verdun. Hier kamen mal wieder unsere beiden Klapp-Fahrräder zum Einsatz. Immer bergauf zog sich eine autobahnähnliche Straße zu den Soldatenfriedhöfen Douaumont. Endlos weit reichen die Gräberfelder und machen die Sinnlosigkeit der Kriege bewusst. 90000 Menschen sind hier beerdigt.
Auf dem Rückweg genossen wir den schönen Ausblick auf Verdun und ließen uns den Fahrtwind um die Nase wehen. Ein Zwischenstopp bei Lidl wurde dazu genutzt, die Bordvorräte aufzufüllen.
Im Convoy mit einem französischen Boot ging es weiter Richtung Rhein-Marne-Kanal. „Stopp“, sagte der nette Franzose in der Schleuse und lud uns und den Schleusenwärter erst mal zu einem hochprozentigen Aperetif ein. Wie üblich drehte sich das Gespräch bald um das Woher und Wohin unserer Reise. So erfuhren wir, dass der Schleusenwärter als Pilot eines Atom-U-Boots um die ganze Welt gereist ist. Beschwingt ging es weiter. Unser gerade gewonnenes Vertrauen in den Motor verschwand auf der Stelle als dieser mit beunruhigenden Drehzahlschwankungen auf sich aufmerksam machte. Im Standgas ging er dann ganz aus. So wurden die Anleger in den letzten zwei Schleusen zu einem spannenden Erlebnis. Nach einer Entlüftung der Dieselfilter fuhren wir im Rhein-Marne-Kanal erstmals auf unserer Reise abwärts. Eine Schleusentreppe von 12 Staustufen führte uns hinunter zu dem Städtchen Toul.
Insgesamt haben wir jetzt schon über 70 Schleusen hinter uns gelassen.
Beim obligatorischen Rundgang durch den neuen Hafen erfuhren wir, dass die Franzosen sich kurzfristig entschlossen hatten, einen Teil des Canal de l`Est Süd wegen Wartungsarbeiten zu sperren. „Bis wann das gehen soll?“, fragen wir. „Na, bis etwa zum 13. Oktober!“ Auf der einzigen Ausweichroute besteht dasselbe Problem.
Da wir jetzt plötzlich wieder viel Zeit hatten und der Motor immer noch dieselben Mucken machte, haben wir uns entschlossen, die Dieselfilter auszutauschen. Nach einiger Suche konnten wir die erforderlichen Modelle erhalten. Bei der Arbeit zeigte sich, dass das Gewinde einer Entlüfterschraube völlig kaputt war. Jetzt musste wieder mal improvisiert werden. Nach hoffentlich erfolgreicher Reparatur nutzten wir nun das sonnige Wetter zum Schwimmen, Lesen und zu weiteren Arbeiten am Boot.

02.10. Toul

Nach einem einwöchigem „Heimaturlaub“ in Gundelfingen bei Freiburg leben wir jetzt wieder auf unserer Sarei. Es dauerte eine zeitlang, bis wir uns erneut an das einfache Leben ohne Dusche, Heizung und Waschmaschine gewöhnt hatten.
Das Wetter ist nun schon deutlich herbstlicher und ein Bad im Kanal kostet einige Überwindung (Wassertemperatur: 16°C, was nicht tötet, härtet ab.). Zum Frühstück beträgt die Innentemperatur manchmal nur 11°C. Ein französischer „Mitwarter“, der auch die Kommunikation mit der Kanalverwaltung managt, hat uns gestern zwei Tüten mit Kartoffeln, Äpfeln und Nüssen geschenkt. An Skorbut werden wir schon mal nicht erkranken.
So wie es jetzt aussieht, werden wir die Strecke Richtung Lyon im Konvoi fahren. Das hat den Vorteil, dass beim Schleusen nicht so viel Wasser verloren geht. Bis es losgeht werden wir wohl noch einige Regentänze vollführen (die habe ich im Sportstudium leider nicht gelernt).

18.10.03 Toul

Die letzten Vorbereitungen für die Weiterfahrt sind erledigt. Morgen, an Saschas Geburtstag, soll es nun endgültig weitergehen. Die Zahl der „Sonnenhungrigen“ hat sich noch mal vergrößert. Unsere kleine Hafengemeinde ist bunt gemischt. Da wäre zunächst die Familie aus Deutschland, die mit einem Canadier (Kanu) auf den Weg in den Süden ist. Mit an Bord sind Vater, Mutter, die zwei Kinder, der Hund und natürlich das Gepäck. Während wir morgens als erstes den Heizlüfter einschalten, herrschen bei ihnen im Zelt Temperaturen von ca. 2°C. Wichtigster Ausrüstungsgegenstand ist deshalb auch das Buch „Überleben“ von Rüdiger Nehberg.
Neben uns hat die schwedische „Litorina“ festgemacht (siehe Foto). Dieses kleine Boot (8,10m) hat schon eine erfolgreiche Weltumsegelung im Kielwasser.
Dann wären da noch Christops und Ramon aus Lettland, die ein Segelboot von Riga nach Malta überführen. Christops, der Sportlehrer, und Ramon, Student, sind in unserem Alter (die Ersten!). Ihr Kurs führte sie auch durch Deutschland. Obwohl sie, aufgrund des niedrigen Wasserstandes des Rheins, nur bis Düsseldorf und nicht bis Köln kamen, waren sie begeistert. Ihr seht, die Zeit ist uns nicht lang geworden. Doch jetzt zieht es uns in den warmen Süden.

verantwortlich für die Web- Präsentation: A. Vogels

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Schleuse
Verdun

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Amei geht baden
Sascha putzt

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Litorina