Info: Das Logbuch ist immer noch nicht fertig. Es kommen doch noch ein wenig mehr Bilder hinzu.
Passende Bilder sind schon vorgemerkt, leider fehlt uns beiden im Moment ein bisschen die Zeit. Wir bitten um Geduld.
Das Weblog-Team :) |
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Sonntag, 8. August 2010
Heute sollte der Segelkurs dieses Sommers an der Segelschule Bad Zwischenahn beginnen. Im Laufe des Nachmittages trudelten aus allen Gegenden Deutschlands die Teilnehmer in der Jugendherberge Badzwischenahn ein. Um 16 Uhr standen 15 neugierige Segeleleven vor dem Bootsschuppen, schauten sich gegenseitig in die noch unbekannten Gesichter und fragten sich, wer in diesem Kreis wohl der Segellehrer sei.
Eine halbe Stunde später ging es dann los. Wir (jetzt konnten wir schon "wir" sagen) saßen uns im Kreis gegenüber begannen unsere Namen zu lernen und hörten die ersten Geschichten von schrecklichen Ungeheuern, die in den Tiefen und Untiefen des Zwischenahner Meeres auf uns lauern. Die Teamer gaben sich alle Mühe, uns den nötigen Respekt für die Bedingungen für das Segeln auf diesem Gewässer zu vermitteln. Wir lernten auch was eine Besanschot ist. Wenn ihr das auch wissen wollt, müsst ihr euch anmelden und herkommen.
Wir konnten am Steg die drei Bootstypen in Augenschein nehmen, auf denen wir in den nächsten zwei Wochen Segeln üben und bis zur Prüfungsreife erlernen wollen. Es gab ein bisschen Wind, der den Geruch des Wassers zu uns herüberwehte und wir wollten am liebsten sofort ablegen. Das durften wir auch, allerdings zunächst nur mit dem Paddel. Tatsächlich: Vor dem Segeln kommt das Paddeln. Schließlich muss man erstmal aus dem Hafen raus. Die Dämmerung brach herein und nach dem Abendbrot versammelten wir uns am Feuer und sangen Lieder zur Gitarre. So konnte es weitergehen... |
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Montag, 9. August 2010
Am nächsten Tag nach dem Frühstück in der Jugendherberge versammelten wir uns im Bootsschuppen und wollten am liebsten mit Rettungsweste, Fock, Paddeln und Pütz zu unseren Booten. Aber nein: Vor dem Segeln kommt das Paddeln, vor dem Paddeln kommt die Segeltheorie. Wir lernten einiges über Sicherheit an Bord, über Naturschutz auf dem Wasser, übers Wetter (als Landratte glaubt man garnicht, was man über das Wetter alles nicht weiß), über Wind, über die Magnetwirkung des Nachbarsteges und über Knoten in Leinen und Tauen.
Am Nachmittag war es soweit: Jeder von uns war mit einem Partner und einem Teamer für ein Boot eingeteilt und unsere erste Ausfahrt begann. Bei einem für uns Anfänger gnädigen schwachen Wind legten wir ab und fuhren die ersten Wenden auf dem Zwischenahner Meer.
Wer an der Pinne saß, fühlte sich unsicher. Sobald das Boot etwas Schräglage erhielt, glaubte der Steuermann, Mann und Maus im See zu versenken. Doch nichts Schlimmes geschah. Wir merkten bald, wie wir und die Windkraft im Segel ein Gleichgewicht bilden und das Boot unserem Willen hin und wieder bereits gehorchte. Die Wettergötter waren heute sehr milde gestimmt. Als die Abendbrotzeit näher kam, schliefen sie ganz ein. Den Hafen erreichten wir mit der letzten leichten Brise dieses Tages. Für den nächsten Tag verheißt der Wetterbericht mehr Wind und mehr Wolken. |
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Dienstag, 10. August 2010
Der Wind war da. Die Wolken waren da. Regen war auch da und wir wollten schon unser Ölzeug anziehen, doch: Vor dem Segeln kommt das Paddeln. Vor dem Paddeln kommt die Segeltheorie. Also hörten wir zuerst einiges über Segelmanöver. Dazu gehören seltsame Begriffe wie Aufschießer, Wende, Halse. Und wie erst all die Teile auf einem Segelboot heißen. Da gibt es Dinge wie: Vor- und Achterstags, Ober- und Unterwanten, Salinge, Klampen, Schoten, Falls und noch viel mehr. Es ist wie das Erlernen einer neuen Sprache. Wir sprechen sie mit wachsendem Vergnügen. Man erkennt uns schon von Weitem daran, dass wir kurze Seilstücke mit uns herumtragen und damit unentwegt bislang unbekannte Knoten wie Roringstek, Kreuzknoten, Achterknoten, Anderthalb Rundtörn mit zwei halben Schlägen. |
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Nachmittags durften wir wieder aufs Wasser. Wir übten bei böigem, aber nicht sehr starkem Wind, wie all die Theorie sich auf dem See anfühlt. Sie fühlt sich gut an. Wir schafften es immer, aneinander vorbeizusegeln und dabei niemanden zu rammen. Wir fuhren Wenden und Aufschießer. Wir lernten, auf eine Böe mit Segel und Schot zu reagieren. Die Vorschoter hüpften aufmerksam zwischen Backbord und Steuerbord hin und her, um das Boot im Gleichgewicht zu halten. Schließlich müssen wir auch das lernen, was jeder Seemann vermeiden will: Kentern. Das durften wir heute noch im sicheren Hafen und in hüfttiefem Wasser üben. Aber wir ahnten natürlich, dass wir die Kunst, ein gekentertes Boot wieder aufzurichten schon bald tatsächlich draußen in den Wellen beherrschen müssen. Wir sind noch immer Anfänger, doch es macht uns schon genausoviel Spaß, wie wir es uns von einem "fertigen" Segler vorstellen. Natürlich wissen wir, dass davor noch eine Prüfung liegt. Aber unsere Lehrer geben sich alle Mühe, uns die Angst davor zu nehmen. Mit schweren Gliedern und glücklich setzten wir uns nach einem nassen und lehrreichen Tag am Abend noch zusammen und schwatzten über Gott und die Welt. |
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Mittwoch, 11. August 2010
Schon heute ist der Tag, an dem für manche von uns das Kentern zur Routine werden sollte. Der Wind weht stärker und böig. Unsere Lehrer haben Angst, dass noch Tage mit Flaute auf uns warten und verschieben eine Theorielektion auf diese Phase. So konnten wir heute den ganzen Tag segeln. Hier gibt es geduldige Zugvögel, launische Gruben und nervöse Laser - alles Jollen. Wer auf dem Laser fährt, muss bei diesem Wind hin und wieder kentern. Auch Kentern macht Spaß. Nochmehr Spaß macht es, hoch auf der Bordkante sitzend, hart am Wind über den See zu reiten. Die anderen Boote sind etwas gutmütiger und erlauben uns mit mehr Ruhe unsere Manöver zu üben. Natürlich kommt trotzdem noch Hektik auf, wenn man in der Aufregung einer rasch gefahrenen Wende oder der etwas tückischen Halse Pinne oder Großschot aus der Hand fahren lässt. Aber unsere Lehrer sind geduldig mit uns und lassen uns weiter in dem Glauben, dass aus uns noch souveräne Segler werden. |
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Die gute Brise juckte auch den Seglern vom benachbarten "Zwischenahner-Segelklub" in den Fingern und schon bald waren sie reichlich vertreten und gaben ebenfalls ihr bestes! |
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Donnerstag, 12. August 2010
Vor dem Segeln kommt das Paddeln. Vor dem Paddeln kommt die Segeltheorie. Heute kam sehr viel Segeltheorie, sehr theoretische Segeltheorie. In der Segeltheorie weht der Wind immer von da, wo ihn der Theoretiker haben will und der theoretische Segler an Bord hat theoretisch immer so viele Entscheidungen zu treffen, wie Regeln auf einer Lehrbuchseite Platz haben. Als praktischer Segelanfänger hält man den Wind im Gesicht und im Segel für echt. Heute lernten wir, dass das nur ein scheinbarer Wind ist. Der wahre Wind ist der theoretische Wind. Ihn spürt man nicht auf der Haut. Der wahre Wind weht im Parallelogramm an der Tafel. Auf die Knoten im Gehirn folgten die Knoten im Seil. Heute lernten wir Palstek und Webeleinstek. |
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Am Nachmittag herrschte wieder der schöne Schein. Bei blauem Himmel und Schäfchenwolken fuhr unsere kleine Flotte hinaus aufs Zwischenahner Meer. Es wurde eine beschauliche Ausfahrt bei nur schwacher Brise - genau das richtige um die neuen Manöver in aller Ruhe zu üben. Zwischendurch bot uns das Wetter auch etwas Abwechslung, schickte ein paar kräftige Böen über den See und warf die Laserbesatzungen ins Wasser. Bei der täglichen Manöverkritik am Abend merkten wir, dass unsere Lehrer anspruchsvoller werden und auch kleinere Fehler nicht mehr unerwähnt lassen. Wir halten das für ein gutes Zeichen: Das eine oder andere haben wir offensichtlich inzwischen gelernt und man erwartet, dass wir es jetzt auch können. |
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Der freundliche Abend hat noch etwas Kraft in unseren Gliedern gelassen, sodass wir noch gut gelaunt einer Cocktailparty am Strand veranstalten konnten. |
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Freitag, 13. August 2010
Im Radio ist der 13. August der Gedenktag der Berliner Mauer. Unter uns sind auch mehrere Berliner, doch Berlin, die Mauer und die deutsche Geschichte sind hier weit weg. Wir leben hier von einem Segeltörn zum anderen. Doch vor dem Segeln kommt das Paddeln und vor dem Paddeln kommt die Segeltheorie. Heute bestand diese aus Lichtsignalen für das Fahren bei Nacht und aus Schallsignalen für die Berufsschifffahrt und das Fahren bei schlechter Sicht. Diese Zeichensprache kommt uns allen zwar etwas umständlich vor, aber wir sehen säufzend ein, dass man sie braucht. Wir lernen auch neue Knoten: einfachen und doppelten Schotstek, Stopperstek und Webeleinstek. |
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Auf dem Wasser wurde dann schonmal für das spätere Bullenreiten trainiert, allerdings gehörte ein wenig Improvisation dazu. |
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Das Wetter ist sonnig und mild - das richtige für Badegäste, Angler und Sommerfrischler, aber ein Problem für Segler. Als wir rausfahren, herrscht auf dem Zwischenahner Meer beinahe Flaute. Wir übten erstmals "Mensch über Bord"-Manöver, bei denen alte Schwimmwesten als zu Rettende verwendet werden. Leider mussten unsere über Bord gegangenen Schwimmwesten manchmal lange warten, bis sie wieder aufgefischt wurden, weil unsere Boote in der Flaute einfach liegen blieben. So dümpelten wir friedlich über den See und nutzen jedes bisschen Brise, um die eine oder andere Halse oder Wende zu trainieren. Um pünktlich zum Abendbrot zurück in den Hafen zu kommen, hatten wir einige Schwierigkeiten. Die Boote kamen gegen das bisschen Wind, das überhaupt über den See wehte, kaum an. Einige von uns holten entnervt die Segel ein und paddelten nach Hause. Diesmal kam das Paddeln nicht nur vor, sondern auch nach der Segeltheorie. |
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Abends machten wir uns auf zum Bullenreiten auf der "Zwischenahner Woche". Die Einheimischen staunten nicht schlecht, als sich einige der Segler auch bei dieser Sportart der Landratten sehr wacker schlugen und sich so lange auf dem bockigen Biest zu halten vermochten, dass sie sich für das Finale am kommenden Sonntag qualifizierten. |
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Samstag, 14. August 2010
Vor dem Segeln kommt das Paddeln und vor dem Paddeln kommt die Segeltheorie. Heute kam auch die Motortheorie. Das Funktionsprinzip von Zwei- und Viertaktern erinnerte uns an unseren Physikunterricht. Einiges kannten wir schon, manches war auch neu. Wie beim Segeln sind auch beim Motorboot das Ab- und Anlegen die heikelsten Momente. Hierbei machen wir noch am häufigsten Anfängerfehler. Das zeigte sich auch am Nachmittag, als wir bei leichter Brise und freundlichem Sonnenschein auf den See gingen. Der Wind hatte gedreht und kam heute aus östlicher Richtung, während er in den vergangenen Tagen - wenn überhaupt - aus West bis Südwest geweht hatte. Das irritierte heute nicht nur einen und unsere Teamer sahen mit Entsetzen eine rasante Hafeneinfahrt mit dem Wind im Rücken. Ein anderes Boot mussten sie im hüfthohen Wasser durch den Hafen schieben. Aber von solchen Pannen abgesehen, klappen unsere Manöver nach und nach etwas zuverlässiger und es kommt immer häufiger vor, dass wir auf dem Wasser auch tatsächlich dorthin segeln, wo wir hinwollten und dort anhalten, wo wir es uns vorgenommen hatten. Die Hälfte des Kurses ist schon vorbei. Die Zeit ist wie im Fluge vergangen. Heute Abend ist Bergfest. Gerade wo wir uns an dieses Leben zu gewöhnen beginnen, müssen wir uns in Erinnerung rufen, dass es auch eine Welt außerhalb der Segelschule Bad Zwischenahn gibt. Aber noch sind wir Segelschüler und heute Abend sitzen wir beim Feuer zusammen, grillen, spielen und bereiten uns auf die nächtliche Ausfahrt mit beleuchteten Booten zum Feuerwerk der "Zwischenahner Woche" über den See vor. |
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Sonntag, 15. August 2010
Der Sonntag war frei. Allerdings hieß "frei" segelfrei. Denn wir wissen ja: Vor dem Segeln kommt das Paddeln und vor dem Paddeln kommt die Segeltheorie. |
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Heute gehörte das Segeln den Lehrern und die Theorie den Schülern. Die Prüfung kommt näher und wir schrieben einen ersten Test. Wir merkten dabei, was mir merken sollten: Uns allen stehen noch einige Früh- oder Abendstunden intensiven Paukens bevor. Manche nutzten den Sonntag gleich dafür, andere lagen auf der faulen Haut. Wieder andere mischten sich unter die Besucher der "Bad Zwischenahner Woche" und beobachteten von der Strandpromenade aus die Segler und Windsurfer, die heute bei einer wirklich kräftigen Brise über den See sausten. |
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Irgendwo da draußen segelten jetzt auch unsere Teamer auf den leichten Lasern am Wind. Und kentern gehört auch bei ihnen zum Segelvergnügen dazu. |
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Am Nachmittag zogen die harten Cowboys und Cowgirls der Segelschule zum Finale des "Zwischenahner Bullenreitens". Vier von uns waren für den Endkampf qualifiziert und einer schaffte es auf das Siegerpodest. |
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Montag, 16. August 2010
Der Tag begann mit der Auswertung unseres Tests und mit einer großen Lektion Verkehrszeichen und Lichtsignalen am Fahrwasser und an Schleusen und Wehren. Nachmittags gingen wir bei trübem, wolkenverhangenem und regnerischem Himmel aufs Wasser. Draußen hatten wir leichten Wind und zwischendurch blitzte hin und wieder die Sonne durch die Regenwolken. Ein seltsames Tiefdruckwetter. Wir hatten aber kaum Zeit, ausführlich auf das Wetter zu achten, denn wir mussten Luftballons von einer Boje pflücken und beim Motorboot wieder abliefern. Das war nicht leicht, weil wir dafür erstens präzise Aufschießer fahren und zweitens im Gedränge der Boote eine Lücke zum Anlegen am Motorboot finden mussten. Noch ist ein beträchtlicher Anteil unserer Manöver zu ungenau und die Prüfung rückt näher. Wir hoffen alle, dass wir in den verbleibenen Tagen guten Wind haben, um noch eifrig zu üben. Abends lernten wir noch Ablegen und Anlegen mit dem Motorboot. Auch am Lagerfeuer memorieren wir inzwischen Prüfungsfragen und -antworten meditativ vor uns hin. |
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Dienstag, 17. August 2010
Segeln besteht darin, dass man die Naturkräfte von Wind und Wasser im Gleichgewicht hält. Der Segler ist von ihnen abhängig und auf dem Wasser eigentlich von nichts anderem. Deshalb vermittelt Segeln ein Gefühl von Freiheit. An diesem Vormittag lernten wir, dass dieses Gefühl trügt. Nichts ist in Deutschland ungeregelt, auch nicht das Segeln. Für den Versuch, den Wind in Paragraphen einzufangen, wurden wunderschöne deutsche Vokabeln erfunden, wie Binnenschifffahrtsstraßenordnung, Moselschifffahrtspolizeiverordnung und dergleichen mehr. Natürlich wäre es viel zu einfach, dass Notwendigste in einer einzigen Ordnung festzulegen. Es muss gleich zwei Handvoll davon geben und hinter jeder Flussbiegung lauert eine Ausnahme. Die Bürokratie wuchert weit bis in die Prüfungsfragen hinein. Was tut der Schiffsführer, dessen Boot auf Grund gelaufen ist? Nach dem Gesunden Menschenverstand müsste er sich zuerst darum kümmern, das Boot wieder flott zu bekommen. Die richtige Antwort in der Prüfung lautet aber: Er muss die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung informieren. Nach drei Stunden Regeln und Vorschriften ist der gesunde Menschenverstand aber gezähmt. Wir haben den Widerstand aufgegeben und pauken, was man von uns hören will. |
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Am Nachmittag weckte uns das Sausen des Windes aus der wasserpolizeilichen Lethargie. Er hatte merklich aufgefrischt und als wir auf dem Wasser waren, wurde er noch stärker. Nachdem eher schläfrigen Winden der letzten Tage mussten wir erst wieder ein Gefühl für die Kräfte entwickeln, die auf ein Boot bei stärkerem Wind wirken. Die Laserbesatzungen hatten schwer zu tun. Wenn sie nicht im Wasser lagen, um ihr gekentertes Boot wieder aufzurichten, saßen sie auf der hohen Kante und versuchten das Kentern noch ein wenig hinauszuzögern. Es war ein wenig wie beim Bullenreiten am letzten Sonntag auf der "Zwischenahner Woche". Aber auch die anderen Boote krängten zum Teil stark und einige kenterten auch. |
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Die Teamer auf ihrem Motorboot schienen einen Rundumlicht-Blick zu haben und waren nach einer Kenterung noch vor der Wiederaufrichtung zur Stelle. |
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Am Ende landeten wir aber alle glücklich und wohlbehalten im Hafen und wussten, dass wir auch bei stärkerem Wind den Spass am Segeln nicht verlieren. Abends in der Manöverkritik analysierten wir unsere Fehler und trainierten Ausweichregeln und Schallzeichen auf dem Wasser. Am Ende waren alle von dem langen Tag recht müde. |
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Mittwoch, 18. August 2010
Wir begannen den Tag mit einem zweiten Test unseres theoretischen Wissens. Die Welt der Binnenschifffahrtsstraßenordung besteht inzwischen nicht nur aus böhmischen Dörfern für uns, wenn sich auch noch die eine oder andere Wissenslücke auftut. Beim Hinaustreten ins Freie blinzelten wir anschließend in die Sonne und prüften den Wind in der Fahne unseres Bootsstegs. Er wehte etwa so stark wie gestern - über das Zwischenahner Meer eilten teilweise weißbekrönte Wellen. Kaum waren wir auf dem Wasser, zogen schon dunkle Wolken auf und der Himmel öffnete seine Schleusen. Wir wurden von oben weitaus nasser als von unten. Wer jetzt keine regenfeste Kleidung hatte, begann bald stark zu frieren. Nach fast drei Stunden starken Regnens halfen dagegen auch keine Liegestütze auf dem Vorschiff mehr. Zum Glück konnte man sich in dieser Lage von unseren fürsorglichen Teamern mit dem Motorboot abholen und für eine warme Dusche an Land bringen lassen. Als das Wetter so schlecht wurde, dass die Sicht über dem Wasser von Nebel eingeschränkt war, fuhren die Boote in den Hafen. Jetzt galt es, auch noch zuletzt beim Anlegemanöver konzentriert zu bleiben und präzise mit Aufschießer zu zeigen. Wer einfach nur irgendwie nach Hause und an den Steg wollte, riskierte vorwurfsvolle Kommentare bei der abendlichen Manöverkritik. Das Zwischenahner Meer ist ein launisches Gewässer: Gerade noch hatten wir überall im Bootsschuppen unser tropfnasses Zeug aufgehängt, da konnten wir schon wieder unter freiem Himmel Abendbrot essen. Mehr und mehr werden unsere Tage von der näher rückenden Prüfung bestimmt. Auch unsere Lehrer beginnen leise Zweifel zu hegen, ob sie uns wohl erfolgreich Segeln und Segeltheorie beigebracht haben. Das Paddeln immerhin beherrschen wir inzwischen recht routiniert. Man versucht, uns mit Hilfe von Lernspielen bei Laune zu halten. Und wir tun so, als ob uns das tatsächlich hülfe. Auf diese Weise trösten die Schüler ihre Lehrer. |
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Donnerstag, 19. August 2010
Der Tag begann mit wunderschönem Segelwetter: Blauer Himmel, Sonne, leichter Wind. Deshalb wurde heute das Gesetz gebrochen: Vor dem Segeln kommt das Paddeln, aber nachher erst die Segeltheorie. Wir fischten Luftballons von den Bojen und brachten sie unter den kritischen Augen der Beobachter am Steg in den Hafen. Nur eine Minderheit von uns bestand diese Prüfung ohne Beanstandung. Noch fehlt uns die nötige Routine für wirklich präzise Anlegemanöver. Aber wir haben ja noch fast zwei Tage Zeit, sie zu üben. Auch die Wettergötter vertauschten heute ihre Launen: Kaum waren wir im Bootsschuppen, begann es kräftig zu regnen. Mittagessen konnten wir aber schon wieder in der Sonne. Die Auswertung des letzten Theorietests veranlasste die meisten von uns den Plan für die nächste Nacht zu ändern: Statt Schlafen stand nun Lernen auf dem Programm. Soweit die guten Vorsätze. Allerdings verführten unsere Teamer uns zu schläfrigem Müßiggang am Lagerfeuer. Begründung: Die Kräuterbaguettes müssen verbraucht werden. Also kauten wir brav unsere Kräuterbaguettes und trösteten uns damit, dass die Kursleiterin mit einer Strichliste herumging und unsere Fertigkeit beim Verfertigen seemännischer Knoten ordentlich in einer Liste abhakte. Eigentlich konnte nichts schiefgehen. |
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Freitag, 20. August 2010
Heute war Generalprobe für die Segelprüfung. Unter Theaterleuten heißt es: Wenn die Generalprobe misslingt, wird die Premiere ein Erfolg. Daran gemessen, müssen wir mit Problemen rechnen, denn die Generalprobe lief erstaunlich glatt. Anscheinend war nach knapp zwei Wochen Training der Knoten bei uns geplatzt. Die Boote begannen uns zu gehorchen. Die Manöver funktionieren auch bei böigem Wind überwiegend zuverlässig. Alle fühlen sich wohl auf dem Boot und das Segeln könnte richtig Spaß machen, wenn da nicht noch die Prüfung vor uns läge. Die Strategie der Kursleitung besteht darin, uns von solchen Realitäten abzulenken. Für den Abend war deswegen nicht etwa Pauken, sondern ein Besuch in der Eisdiele "San Marco" in Bad Zwischenahn vorgesehen. Das Eis schmeckt dort vorzüglich. Dennoch begannen wir uns leise Sorgen zu machen, ob nicht der verschlungene und unübersichtliche Heimweg am nächtlichen Seeufer ein Zeichen für die Orientierungslosigkeit darstellt, mit der wir am folgenden Tag durch die Prüfung manövrieren würden. |
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Samstag, 21. August 2010
Vor dem "SBF-Binnen" kommt das Segeln. Vor dem Segeln kommt das Paddeln. Vor dem Paddeln kommt die Segeltheorie. Der Hohe Prüfungsausschuss nahm heute unseren Bootsschuppen in Besitz. Er bestand aus einem freundlichen Pragmatiker, einem gemütlichen Seebären und einem ironischen Vorsitzenden. Wir schwitzten anderthalb Stunden über unseren Fragebögen und kamen damit überwiegend besser zurecht, als wir es noch vor wenigen Tagen geglaubt hätten. Offensichtlich hatte sich die Paukerei gelohnt. Dann ging es hinaus aufs Wasser für die praktische Prüfung. Einer nach dem anderen fuhren wir unsere schulmäßigen Manöver bei frischem Wind und einigen kräftigen Böen. Am Ende hieß es für uns alle: "Segeln könnt ihr". Daran ändert auch der Umstand nichts, dass zwei von uns beim Theorieteil etwas nachsitzen müssen. Mit dem SBF-Binnen in den Unterlagen gehören wir seit heute Nachmittag zu den "amtlich anerkannten" Mitgliedern der Seglergesellschaft. Erleichtert und froh gingen wir am Nachmittag zum freien Segeln auf die letzte Ausfahrt dieses Seglerkurses. Die Teamer veranstalteten eine kleine Regatta mit den neu erworbenen Optimisten der Segelschule - endlich konnten auch sie aufatmen und selber segeln, ohne auf uns Anfänger aufpassen zu müssen. Sie hatten heute mit uns gebangt und waren ebenso froh wie wir, dass die Prüfung im Großen und Ganzen glatt gelaufen ist. Den erfolgreichen Abschluss unseres Segelkurses feierten wir mit einem fröhlichen kleinen Fest an der Strandbar hinter unserem Bootsschuppen. Der Kurs geht gerade im richtigen Moment zu Ende. Noch eine Woche in dieser Art und wir hätten uns so sehr an dieses Leben gewöhnt, dass wir für die "wirkliche Welt" irgendwo hinter dem Zwischenahner Meer ganz verloren wären. Aber wir sind nicht Robinson auf der Insel und die meisten von uns fragen sich schon, wann sich wohl in der Routine des Alltags das nächste Zeitloch auftun wird, in dem man in die Welt des Segelns entkommen kann. |
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Sonntag, 22. August 2010
Einige frischgebackene Besitzer des "SBF-Binnen" erhoben sich im Morgengrauen vom Lagerfeuer und unternahmen einen kleinen Frühsegeltörn auf dem Zwischenahner Meer. Das Aufräumen erleichtert das Abschiednehmen. Nach und nach bereinigen wir die Spuren unseres Segelkurses im Bootsschuppen. Nur das kleine Boot aus Papier, mit dem unsere Kursleiterin beim Abschiedsfest ihre Fähigkeiten als Bootsbauerin unter Beweis stellen sollte und das leider bei der Jungfernfahrt in der Badewanne sank, wurde gehoben und wird als Souvenir dieses Kurses unter den Schiffsmodellen der Segelschule erhalten bleiben. |
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Hier eine Sicht auf die Boote aus der Wannen-Rally.
Links das Siegerboot und rechts das mit dem defekten Lenzventil. |
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Nach zwei sehr interessanten und spannenden Wochen des Segelns bleiben unter anderem auch die zauberhaften Sonnenuntergänge in Erinnerung.
Die Zeit hier werden wir schon bald sehr vermissen... |
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